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So., 17. Juli 2022
im Laufe des Vormittags

35745 Herborn
genauer Ort wird noch bekannt gegeben

Geschichtlicher Hintergrund

Am 2. Mai 1933 stürmten die Nazis reichsweit die Gewerkschaftshäuser
Gedenktafel in der Burger Landstraße erinnert an Zerschlagung der Gewerkschaften vor 89 Jahren

HERBORN Es waren nur wenige Stunden verstrichen: Am 1. Mai 1933 erhoben die Nationalsozialisten jenes Datum zum Tag der Arbeit. Kurz darauf, am 2. Mai 1933, stürmten sie das Büro der damaligen Bergarbeitergewerkschaft in der Burger Landstraße in Herborn.

Die Zerschlagung der freien Gewerkschaften war in ganz Deutschland koordiniert: Um 10 Uhr begann die Besetzung der Gewerkschaftshäuser. Funktionäre wurden verhaftet und schwer misshandelt, Eigentum beschlagnahmt.

89 Jahre später haben Gewerkschafter in Herborn an diesen Tag erinnert: An der Erinnerungstafel in der Burger Landstraße legten Mitglieder des IG-Metall-Arbeitskreises SeniorInnen und außerbetriebliche Gewerkschaftsarbeit dort rote Nelken nieder. Die Tafel war im Jahr 2013 vom damaligen Bürgermeister Hans Benner (SPD) am ehemaligen Gewerkschaftshaus des Bergarbeiterverbandes – heute das Autohaus Schäfer und Grimm – enthüllt worden.

Gedenkveranstaltung am 17. Juli geplant
In Herborn waren den Nationalsozialisten vor allem zwei Männer ein Dorn im Auge: die Gewerkschaftssekretäre Heinrich Becker und Paul Szymkowiak, die beide Teil der Bergarbeitergewerkschaft waren und verfolgt wurden. Sozialdemokrat Becker hatte am 24. März im Reichstag gegen die Ermächtigungsgesetze gestimmt. Szymkowiak gehörte der letzten frei gewählten Herborner Stadtverordnetenversammlung an.

Während Becker über das Saarland nach Frankreich flüchtete und dort später verhaftet wurde, wurde Szymkowiak im Sommer 1933 in »Schutzhaft« genommen und von der Polizei in Wetzlar gefoltert. 1944 wurde er erneut verhaftet und in ein Konzentrationslager verschleppt.

Andrea Theiß, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Herborn, erinnerte daran, dass es außer dem Büro der Bergarbeitergewerkschaft auch eines des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV) in der Kaiserstraße gegeben hat. Der DMV war der Vorläufer der IG Metall. Dessen hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär Adolf Kunz war bereits am 17. Juli 1932 von der SA in seiner Gaststätte in Burg (heute Burger Eck) verprügelt und verhaftet worden.

Am 17. Juli 2022 will die IG Metall mit einer Gedenkveranstaltung an diese Geschehnisse erinnern.