Neue Gedenktafel weist auf die Gestapo-Verhörstelle hin
Gedenkstunde zur Tafelenthüllung wird nachgeholt

»In dieser schrecklichen Nacht stand ich an die innere Zellentür gelehnt und betete ununterbrochen, gottergeben und mich ganz allein, als sein Geschöpf fühlend: Herr, Dein Wille geschehe! Und in diesem Gefühl war ich nicht ängstlich, nicht erschüttert, nicht traurig, sondern zuversichtlich und still. – Nachher konnte man kaum mehr atmen, die Bomben, die ringsumher gefallen waren, hatten sämtliche Fenster zerschlagen, die Rauchschwaden und der Qualm des Feuers von allen benachbarten Häusern schlugen in die Gefängniszellen herein,« schreibt Elsie-Kühn-Leitz in ihr Tagebuch nach der Bombennacht am 4. Oktober 1943, die sie im Frankfurter Polizeigefängnis Klapperfeld erlebte. Die Bombardierung war für die Häftlinge besonders schrecklich, denn sie mussten eingesperrt in ihre Zellen miterleben, wie um sie herum Bomben einschlugen.

Elsie Kühn-Leitz war am 10. Dezember 1943 von der Gestapo in Wetzlar verhört und anschließend verhaftet worden. Häftlinge aus Wetzlar wurden in das nach Frankfurt gebracht und mussten dort im Gefängnis Klapperfeld darauf warten, bis sie entweder der NS-Justiz übergeben oder in ein Konzentrationslager verschleppt wurden. Vorgeworfen wurde ihr, »eine der größten Todsünden gegen das Dritte Reich« begangen zu haben, indem sie eine Jüdin, eine »Erzfeindin des Führers und des Dritten Reiches« zur Flucht verholfen habe. Darüber hinaus »übertriebene Humanität« gegenüber Zwangsarbeiter*innen, die bei der Fa. Leitz eingesetzt waren.

Doch Elsie Kühn-Leitz hatte das Glück, dass die Industriellen-Familie Leitz mit der Zahlung hoher Summen erreichen konnte, dass sie aus der Haft entlassen wurde. Durch ihre schriftlich festgehaltenen Erinnerungen über die Gestapo-Verhöre in Wetzlar und Frankfurt, sowie vom Alltag im der monatelangen Haft im Gefängnis Klapperfeld wissen wir haute überhaupt, wie es Menschen erging, die in das Visier der Gestapo gerieten. Die meisten von Ihnen haben das nicht überlebt.

Die Verhörstelle im Aldefeldschen Haus war Teil der Gestapo-Frankfurt. Zum Wirkungsbereich der Frankfurter Gestapo gehörten der Bezirk Fulda/Werra und Wiesbaden. Um die Überwachung der Gesellschaft innerhalb dieses Gebietes in die Tat umsetzen zu können, arbeitete die Gestapo mit Spitzeln und V-Leuten zusammen. Auch in Wetzlar. Auch Elsie Kühn-Leitz war denunziert worden.

—› Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf der Hintergrundinformationsseite zu dieser Tafel

Die Gedenktafel wird in der ersten Hälfte des Dezembers aufgestellt. Tafelstifter sind:

Sobald ein Termin für die Enthüllung der Tafel feststeht,
wird er hier bekannt gegeben.

Hintergrundinformationsseite zur Gedenktafel
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