Wie Schüler*innen sich Geschichte erobern

Mit offenen Ohren die eigene Lebenswelt zu erkunden – auch historisch

»Ganz Ohr für deinen Ort!« ist das Motto einer Projektförderung für Jugendliche der Mittelstufe von der »Stiftung zuhören« und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Seit wann gibt es unseren Ort? Wer ist der Namensträger unserer Schule? Was würde ich einem Fremden in meinem Ort zuerst zeigen? Welche Geschichten ranken sich um meinen Ort?

Die Ergebnisse ihrer Recherche setzen die Schüler*innen – mit Unterstützung von erfahren Rundfunkjournalisten*innen des hr – in diverse Audioformate um (Umfragen, kleine Reportagen bis hin zum Hörspiel). Dabei lernen sie die Grundfertigkeiten des Hörfunk-Journalismus kennen und wenden sie an. So werden Geschichtsverständnis, persönliche Auseinandersetzung mit dem Lebensumfeld und Medienkompetenz gleichermaßen gefördert.

Die Schüler*innen der der Klasse 10R1 der Alexander-von-Humboldt-Schule  Aßlar (Schuljahr 2019-2020) erkundeten in den zwei Geschichtsstunden pro Woche mit Aufnahmegerät und Mikro ihre Lebenswelt. Sie recherchierten zum Thema »Wetzlar und Aßlar zur NS-Zeit«. Am 09.12.2019 präsentierten sie Ihre Ergebnisse Mitschüler*innen, Lehrern*innen, Eltern, Gesprächspartner*innen und Vertreter*innen beteiligter Organisationen. Wir stellen hier das Projekt vor. —› Gewünschte Kapitel zum Öffnen anklicken.

Wir sind die Klasse 10 R1 der Alexander-von-Humboldt-Schule in Aßlar

Für das Projekt »Ganz Ohr für deinen Ort« haben wir uns im Geschichtsunterricht auf Spurensuche zum Thema Nationalsozialismus begeben:

wurden zum Gegenstand unserer Recherche.

Auch mit dem Thema Zwangsarbeit im 3. Reich haben wir uns beschäftigt.

Und wir haben uns in fiktiven biografischen Spots mit der Frage auseinandergesetzt, wie es jüdischen Bürgerinnen und Bürgern erging, die im Nazideutschland auf der Flucht waren.

Mit unseren journalistischen Audio-Beiträgen und unseren literarischen Spots wollen wir die Ereignisse der NS-Zeit für Interessierte hörbar und erfahrbar machen.

Die Reportage zu den Stolpersteinen

Die beiden Stolpersteine in der Oberstraße in Aßlar erinnern an deportierte jüdische Mitbürgerinnen. Es handelt sich um

  • Sabine Danzig
    geboren am 18. September 1877 in Aßlar, deportiert 1942
    in Majdanek – Sobibor ermordet

  • Berta »Billa« Mildenberg
    geboren am 2. Oktober 1878 in Aßlar, deportiert 1942
    in Majdanek – Sobibor ermordet

Die Schüler hatten Passanten auf der Straße befragt, ob sie die Steine und ihren Zweck kennen und was sie davon halten. Die meisten Befragten wussten es und fanden die Idee der Stolpersteine gut.

Die Reportage zur Goetheschule als NS-Eliteschule

In der zweiten Reportage geht es um die heutige Goetheschule in Wetzlar.

Sie diente in der Nazizeit als »NS-Musterschule«. Sie hieß zwar nie Adolf-Hitler-Schule, erfuhren die Schüler im Interview mit Lehrern, brachte aber den Schülern aus »arischen« Familien die NS-Ideologie nahe.

—› Die journalistischen Audio-Beiträge

Im amtlichen Stadtplan von 1939 wird die Schule allerdings als »Adolf-Hitler-Schule« bezeichnet.

Die Buderus-Villa, das ehemalige »Braune Haus« in Wetzlar, war Thema der dritten Reportage. Dort – in der Buderus-Villa – saß von 1933 bis 1945 die NSDAP-Kreisleitung und später im März 1945 die US-Armee (seitdem nannten die Wetzlarer die Villa das »Weiße Haus«). Nachdem die Schüler*innen die Tafel und die dazugehörige Hintergundseite auf der Homepage von Wetzlar Erinnert entdeckt hatten, wollten Sie ein Interview mit einem der Tafelstifter, dem Oberbürgermeister Manfred Wagner. Leider fand sich bis Abschluss des Projektes kein Interviewtermin und deshalb hatten die Schüler*innen einen Briefwechsel mit Fragen zum Haus und zur Erinnerungskultur vertont.

—› Die journalistischen Audio-Beiträge

—› Die Gedenktafel vor der Buderus-Villa
—›
Die Hintergrundseite zu dieser Gedenktafel über Ereignisse der NS-Zeit

Die Collagen auf der Seite »Stiftung zuhören«

Die Reportage zur NS Zwangsarbeit

Interviewpartner zum Thema Zwangsarbeit war Karsten Porezag. Er berichtete unter anderem, welche Menschen einst woher kamen und für wen sie arbeiten mussten. Porezag hatte in den 1990-Jahren zu dem Ausmaß der NS-Zwangsarbeit in Wetzlar ein Buch herausgegeben. Das Interview mit ihm ist ebenfalls bei den journalistischen Beiträgen zu hören.

—› Die journalistischen Audio-Beiträge

—› Das Ausmaß der NS-Zwangsarbeit in Wetzlar
—›
Gedenktafeln zur NS Zwangsarbeit, die bisher in Wetzlar aufgestellt sind

Und auch das gab es:

Kleine Ton-Wort-Collagen, fiktive Geschichten von Wetzlarer und Aßlarer Juden. Erfundene Schicksale, die es so nicht gab, aber hätte geben können.

Die Collagen auf der Seite »Stiftung zuhören«

WNZ-Pressebericht

Gert Heiland von der Wetzlarer Neuen Zeitung hat einen Zeitungsartikel über die Präsentation dieses Geschichtsprojektes geschrieben, die am

  • Mo., den 9. Dezember 2019
    ab 13.30 Uhr in der
    Aula der Alexander-von-Humboldt-Schule

stattfand. Der Artikel erschien am10.12.2019 in der Zeitung.

—› Einsicht und Download des Presseberichts (PDF, 379 KB)

—› 134 2019-12-10_WNZ_Praesentation_Geschichtsprojekt_Humbolt-Schule_Asslar.pdf