Außenstelle der Gestapo Frankfurt am Main
Verhöre, Verhaftungen, Einschüchterung
Hausertorstraße 42

In der Hausertorstraße 42 in Wetzlar befand sich eine Außenstelle des Gestapo-Hauptquartiers von Frankfurt.

Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) gehörte zu den übelsten Herrschaftsinstrumenten der Nazis. Die Gestapo wurde seit 1933 durch Umbau der politischen Polizei der Weimarer Republik systematisch zu einem Instrument zur Überwachung der Gesellschaft, Verfolgung der Gegner und Gegnerinnen des Faschismus und Ausschaltung aller Andersdenkenden fortentwickelt. In den Gestapo-Kellern wurde verhört, gefoltert und gemordet.

Gesteuert vom Reichssicherheitshauptamt (RSHA) in Berlin, setzten Gestapo-Leute vor Ort die Verbrechen der faschistischen Diktatur um: Bedrohung und Deportation von Juden, Verhaftung von Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschaftern sowie von Unterstützern und Helfern der Verfolgten.

Festgenommene wurden in das berüchtigte Gestapo-Gefängnis in der Klapperfeldstraße in Frankfurt gebracht. Dort wurden die politischen Gefangenen weiteren Verhören und Folterungen ausgesetzt. Den Verhafteten drohte oft die Internierung in eines der Konzentrationslager oder der sofortige Tod.

Elsie Kühn-Leitz, die Tochter des Wetzlarer Unternehmers Ernst Leitz, wurde von der Gestapo im Spätsommer 1943 ins Aldefeldsche Haus zum Verhör bestellt, weil sie eine jüdische Mitbürgerin beim Versuch, in die Schweiz auszureisen, unterstützt hatte:

»Mein Vater und ich fuhren also an jenem 10. September um zwei Uhr nachmittags mit dem Auto zur Gestapo. Die Gestapo war damals in einem alten Haus, das noch aus der Goethezeit stammt, untergebracht. Dieses Haus liegt gegenüber von unserem Hausertorwerk ganz im Schatten eines Parkes, rings von dunklen Bäumen umgeben. […] Es hieß das ›Aldefeld´sche Haus‹. Zunächst wurde mein Vater allein vernommen […].

Nach etwa zwei Stunden des Wartens kam ich dran. Es waren zwei Wetzlarer und ein Frankfurter Beamter der Gestapo … anwesend. Ich wurde nun zu den Einzelheiten des Falles P. vernommen, und mir wurde klar gemacht, dass ich eine der größten Todsünden gegen das Dritte Reich begangen hätte, indem ich eine Jüdin, einen Erzfeind des Führers und des Dritten Reiches, unterstützt hätte… Da erklärte mir Herr G., […] daß ich […] verhaftet wäre und sofort nach Frankfurt ins Gefängnis käme […] .«

Elsie Kühn-Leitz wurde vom 10. September 1943 bis 28. November 1943 im Frankfurter Gestapo-Gefängnis in der Klapperfeldstraße festgehalten.

Hinweis: WETZLAR ERINNERT strebt an, in Kooperation mit der Leitz-Stiftung und der WWG eine weitere Tafel im Rahmen des Projektes »Gedenktafeln zu Ereignissen der NS-Zeit« an der Straßenecke vor dem Aldefeld’schen Haus zu errichten.

Bernd Lindenthal über Elsie Kühn-Leitz • WNZ-Artikel 26.05.2018 PDF
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