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Gedenktafel für Ernst Leitz II
und sein Engagement für Demokratie und jüdische Mitmenschen
Mi., 7.10.2021, 16:00 Uhr
Stadtverordnetensitzungssaal im Neuen Rathaus Wetzlar

Programm für die Feierstunde:

Eröffnung und Begrüßung:
Ernst Richter (Vorsitzender von Wetzlar erinnert e.V.)

Für die Tafelstifter sprechen:
Oberbürgermeister Manfred Wagner (Magistrat der Stadt Wetzlar)
Dr. Oliver Nass (Vorsitzender der Ernst Leitz Stiftung)
Dr. Annette Rinck (Leica Microsystems)
Vertreter des Vorstandes (Leica Camera)

Tafelenthüllung gegen 16:40 Uhr
Am Fußweg an der Ernst-Leitz-Straße

Würdigung des Engagements von Ernst Leitz II
Durch Dr. Frank Dabba Smith (Rabbiner, Großbritannien)

Ernst Leitz II (*1871, †1956) wurde Kaufmann im väterlichen Betrieb und nach dem Tod seines Vaters 1920 Alleingesellschafter der Leitz Werke. Er war Mitglied der linksliberalen DDP und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, einer Organisation zur Verteidigung der Weimarer Republik.

Er verachtete die Nazis und bezeichnete sie als »braune Affen«. Er war Unternehmer, der viel riskierte, um verfolgten Menschen zu helfen. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen seiner Zeit.

Während der NS-Diktatur setzte er sich für verfolgte, insbesondere jüdische Mitbürger*innen ein. Er nutzte seine Spielräume, um ihnen Arbeitsplätze zu bieten oder sie mit Aufträgen zu unterstützen. Später half er ihnen unter Einbindung der Tochtergesellschaften zur Flucht ins Ausland, insbesondere in die USA. Er hat über seine Taten nie gesprochen; erst 50 Jahre nach seinem Tod konnte diese geleistete Hilfe aufgedeckt werden.

1941 trat er in die NSDAP ein, um die drohende Enteignung des Unternehmens abzuwenden.

Frank Dabba Smith lebt in London, wo er bis 2019 Rabbiner an der Mosaic Liberal Synagogue war und am Leo Baeck College für angehende Rabbiner lehrt. Er gilt international als der Kenner des Rettungswiderstandes, den Ernst Leitz II für jüdische und demokratisch gesinnte Mitmenschen während des Nazi-Regimes geleistet hat.

Er hat sich sehr früh als Leica-Fotograf für die Geschichte der Ernst Leitz GmbH und der Leica interessiert. Bei einem Besuch in Wetzlar 1999 erhielt er Kontakt mit Dr. Knut Kühn-Leitz und sprach ihn auf das mögliche Wirken dessen Großvaters, Ernst Leitz II, an, das der Familie jedoch kaum bekannt war. Dank der anschließenden gemeinsamen Recherchen konnten über 80 Beispiele dokumentiert werden, wie Ernst Leitz II zwischen 1933 und 1945 Verfolgten half, die Nazizeit zu überleben und sich eine andere Existenz aufzubauen.

Seine Forschungen hat er in seiner Doktorarbeit (»Ernst Leitz of Wetzlar: Helping the Persecuted«, 2017) am University College London (UCL) aufbereitet, wo er heute Honorary Research Fellow ist.

Projekt Gedenktafeln zu Ereignissen der NS-Zeit in Wetzlar
Dies ist die 11. von insgesamt 24 geplanten Tafel, die über Ereignisse aus der NS-Zeit informieren sollen. Die 90 x 70 cm großen Tafeln sollen auf öffentlichem bzw. öffentlich begehbarem Gelände in der Stadt Wetzlar an Ereignisse aus der Zeit des deutschen Faschismus erinnern.

Sie werden mit ihrer farblichen Gestaltung, ihrer Platzierung und Aufmachung als Blickfang wirken und Passanten ermöglichen, in kürzester Zeit beim Vorbeigehen das jeweilige Ereignis aus der NS-Zeit zu erfassen. Durch einen QR-Code erhalten Interessierte Hintergrundinformationen zur jeweiligen Tafel.

Einladungskarte zur Gedenktafelenthüllung am 07.10.2022

Anmeldung
zur Teilnahme an der Enthüllungs- und Gedenkveranstaltung am 07.10.2022:

Per Mail an ernst.richter@t-online.de

oder gleich hier eingeben und absenden:

Pflichtfelder müssen vor dem Absenden ausgefüllt werden und sind mit einem * gegenzeichnet.
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