Feldpostbriefe:
Adolf Hammer

Wer war Adolf Hammer?

Der Gefreite Adolf Hammer, geb. am 4. Januar 1923 (also 1944 gerade mal 21 Jahre alt), war bis 1943 im besetzten Teil Frankreichs eingesetzt. Erst im Frühjahr 1943 wurde er nach Russland versetzt. Auf die Zeit seines Einsatzes an der Ostfront bis Sommer 1944 konzentrieren sich diese Feldpostbriefe. Die letzten Informationen der Wehrmacht Sommer 1944 reden davon, dass er verwundet wurde. Seit dem gab es kein Lebenszeichen von Adolf  Hammer mehr.

Hier kommen Sie direkt zu den Texten

  1. ausgewählte Briefe 1942
  2. ausgewählte Briefe 1943
  3. ausgewählte Briefe 1944
  4. Briefe seiner Eltern und Großeltern, die 1944 Adolf Hammer nicht mehr erreichten
  5. Korrespondenz seiner Eltern mit Behörden und ehemaligen Kameraden nach dem Krieg

Weitere Informationen zu seiner Person

Wir haben den Stapel Briefe vom Gefreiten Adolf Hammer an seine Eltern und Großeltern durchgesehen, sie zeitlich sortiert und einige der über 100 Briefe aus Frankreich und der über 100 aus Russland abgeschrieben sowie eine Feldpostkarte und einen Brief – jeweils aus Russland – digital erfasst. Zum Schluss auch den Schriftwechsel der Eltern mit Kameraden des verschollenen Sohns auf der Suche nach ihrem Jungen.

Insgesamt etwa 40 Briefe lassen sich zeitlich nicht einordnen, da das Absendedatum und/oder das Land fehlen. In den meisten Briefen geht es um den Brief- und Paketverkehr sowie um das »Wie geht es Euch? Mir geht es gut«.

Wie seinen Briefen – sowohl aus Frankreich, als auch aus Russland – zu entnehmen ist, hat Adolf Hammer wohl die meiste Zeit seines Kriegseinsatzes im Krankenrevier, in Lazaretten oder beim Tross, also hinter der Front, verbracht. Er litt wohl wochenlang unter Eiterbeulen an den Beinen und Füßen, an einer eitrigen Mandelentzündung und schließlich im Sommer 1943 an Malaria wegen der Mückenschwärme in den russischen Sumpfgebieten. Sein letzter Brief aus Russland, der mir vorliegt, stammt vom 27.09.1943. Danach scheint er zur Erholung nach Bitburg in die Eifel verlegt worden zu sein, wie ich einem Brief vom 12.10.1943 entnehmen kann.

Klaus Kirdorf: »Was mir grundsätzlich an seinen Briefen aufgefallen ist: Sie sind nicht in der Sütterlinschrift verfasst, sondern in der lateinischen Schreibschrift, wie sie ja auch heute noch verwendet wird! Schmunzeln musste ich über die häufige Benutzung des Wortes ›als‹ (für ›dauernd‹), dass ich auch noch aus meiner nassauischen Heimat Wiesbaden kenne.«

Alle Briefe sind genauso abgeschrieben wie vorgelegen – mit allen Grammatik- und Rechtschreibfehlern.

Im Laufe der Zeit nimmt Adolf Hammer kein Blatt mehr vor den Mund. Die Härte der Lebensumstände wird in seinen Briefen mit immer drastischeren Worten formuliert.

Ab Oktober 1944 erreichen die Briefe der Eltern und Großeltern nicht mehr den Sohn bzw. Enkel.
Wetzlar, den 23.03.2021

Irmtrude Richter und Klaus Kirdorf

@ Sammlung Ralf Schnitzler

Die nachfolgenden ausgewählten Briefpassagen wurden in der damaligen Rechtschreibung und mit allen Schreibfehlern übernommen.

Klaus Kirdorf und Irmude Richter

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Ausgewählte Feldpostbriefe 1942

Liebe Eltern!

Heute Morgen habe ich Euren lb. Brief vom 7.1. erhalten. Danke Euch auch recht herzlich dafür. Habe mich sehr gefreut darüber. Will Euch auch gleich wieder antworten. Mir geht es jetzt wieder ausgezeichnet. Welches ja bei Euch auch noch der Fall ist. Weller wird morgen auch entlassen. Ich werde wahrscheinlich Samstag rauskommen. Wir wollten gerne zusammen raus, aber es hat bei uns nicht geklappt. Habe sogar den Arzt gefragt, aber er läßt mich noch nicht mit raus. Sollte zur Beobachtung noch ein paar Tage hierbleiben hatte er gesagt. Nun ist mir das ja egal. Ich mache nähmlich alles mit wies kommt. Weller kommt noch 3 Wochen in Erholung nach Le Sables.Da werde ich dann auch noch landen. Das wird noch interessant werden. Mit Urlaub wird’s dann natürlich scheiße. Na es ist eben nicht zu ändern. Ich führe auch lieber in Urlaub wie dort hin. Zumal ich jetzt schon dreiviertel Jahr nicht mehr zuhause war.

Unsere Kompanie ist auch zurückgekommen. Liegen nur 30 km von hier weg in Kasernen. Mal sehen was es da gibt. Ich habe gar keine große Lust mehr dorthin. Mir wärs lieb, wenn mirs genau so ginge wie dem Werdorfer.

Heini hat ja mit seinen Mandeln seine Last gehabt. Ich lasse sie mir nicht rausmachen. Die Schwester sagte, bis das wieder richtig in Ordnung wäre, da gingen noch verschiedene Wochen drauf. Heini kommt dann auch zum Ersatzhaufen und von dort aus nach Osten. Ist ja egal, einmal kommt er ja doch hin. Mir ists auch Wurst.

Liebe Eltern habe vorgestern ein Päckchen abgeschickt. Hoffentlich kommts gut an. Habe für Mama ein paar Strümpfe hinein getan. Hoffentlich passen sie. Hatte ja immer noch ein bischen Hoffnung und wollte sie im Urlaub mit nach Haus nehmen. Aber es wird wohl nichts draus werden. Ist auch nicht schlimm. Dann brauch ich auch wieder nicht von Zuhause weg.

Viele Grüße und alles Gute wünscht Euch

Adolf

Liebe Eltern!

Gestern habe ich mit Freuden wieder 3 Päckchen erhalten. 2 mit Brot und 1 mit Wurst. Liebe Eltern das ist doch wirklich nicht nötig. Könnt doch das Zeug Zuhause selber gebrauchen. Schickt mir als öfter einen Brief, das ist genau so gut. Ich freue mich immer, wenn ich Lebenszeichen von Euch höre. Papa könnte als öfter mal schreiben. Er hat mir erst einen Brief geschrieben. Habt Ihr meine Päckchen alle erhalten? Im ganzen habe ich 3 St. abgeschickt. Wenn sie Zuhause angekommen sind, schreibt mir bitte gleich. Schicke dann wieder etwas ab. Papa wird sich doch sicherlich darüber freuen.

Liege noch im Revier. Der Fuß hat sich immer noch nicht gebessert. Bekomme jeden Tag 2-mal den Eiter heraus gedrückt. Das sind immer ekelhafte Schmerzen, aber das geht auch vorüber. Nun möchte ich schließen bis morgen.

Es grüßt Euch herzlich Euer Sohn

A. Hammer

*

Liebe Eltern!

Endlich geht’s mir wieder etwas besser. Bin auch sehr froh darüber. Wenn man nichts essen kann, das ist große Scheiße. Hoffentlich habt Ihr meinen Brief erhalten. Von Euch habe ich schon seit über 8 Tagen keine Post mehr erhalten. Ist aber nicht schlimm. Werde sie nachher alle zusammen bekommen.

Gestern sollte ich es aufgeschnitten bekommen. Aber ich hatte nochmal Glück. Heute morgen war es noch nicht richtig reif. Da konnte man es noch nicht aufschneiden. Am Abend ging es von selbst auf. Da kam vielleicht eine Schweinerei raus.

Nun wie geht es Euch denn jetzt. Mir geht es jetzt wieder so einigermaßen. Sonst wüßte ich nichts zu schreiben. Liege noch im Lazarett. Lege Euch nun 2 Bildchen bei. In dem Schloß liegen wir drin. Auf dem anderen könnt Ihr mich mal suchen.

Seid mir recht herzlich gegrüßt von Eurem Sohn

A. Hammer.

Liebe Eltern!

Heute ist es gerade 1 1/2 Wochen her, wo ich wieder mal etwas Post von Euch erhielt. Habe 7 Päckchen mit Brot und Kuchen erhalten. Ferner Papas 2 Briefe, einer mit den Zigaretten. Danke Euch recht herzlich dafür. Das Brot kann ich ja hier nicht so gut gebrauchen. Wir bekommen nähmlich hier Brot in Hülle und Fülle. Soviel wir essen können. Aber das ist auch bald wieder vorbei. Heute darf ich das erste Mal aufstehen. Heute Morgen hab ichs dem Unterarzt wegen meinen Augen mal gesagt. Jetzt bekomme ich jeden Abend Zeug drauf gemacht. So arg wie es zu Hause immer war, ists hier nicht. Aber trotzdem.

Nun mittlerweile wird ja Papa auch wieder Zuhause sein vom Übungsplatz. Hoffentlich hat es ihm dort gefallen. Soviel er ja in seinem Brief schreibt, war ja das Essen gut. Das ist ja schon mal die erste Voraussetzung. Dann waren es ja auch nur e in paar Tage. Die gehen ja schnell rum. Ist ja etwas anders als bei uns. Aber einmal geht dieses auch mal vorüber. Wann, das ist ja noch eine Frage der Zeit. Hoffentlich lassen sie uns bald mal in Urlaub. Vorläufig fahren nur Ernteurlauber.

Sonst geht es mir wieder so einigermaßen. Habe schwer die paar Tage ausgehalten. Aber auch dies ging vorüber. Hoffentlich bleiben wir noch lange hier. Aber ich rechne stark damit, dass wir den Winter über in Rußland liegen. Dann hatten wir im Sommer die Hitze und im Winter die Kälte. Das wäre aber nicht schlimm. Man gewöhnt sich an alles.

Nun wie geht es Euch dann jetzt? Hoffentlich noch gut. Hat die neue Flak schon mal einen abgeschossen? Oder kommen keine mehr? Nun lb. Eltern will ich für heute mal schließen. Nochmals vielen Dank für die Päckchen und die beiden Briefe, und seid recht herzlich gegrüßt von Eurem Sohn  A. Hammer

Liebe Eltern!

Dachte ja ganz bestimmt heute einen Brief von Euch zu erhalten. Aber leider war nichts dabei für mich. Hoffentlich habt Ihr meine Briefe und die Päckchen alle erhalten. Liege noch immer im Lazarett. Geht mir aber ganz ausgezeichnet.Muß noch immer im Bett liegen. Habe den 3. Abstrich noch nicht gemacht bekommen. Bis das geschehen ist, dauert noch eine schöne Zeit. Hier liegen schon welche über 5 Wochen. Das schönste dabei ist, es fehlt ihnen überhaupt nichts. So geht mirs also genau. Aber mir ist alles egal. Ich mache mit wies kommt. Gestern sagte der Stabsarzt, wir sollten weiter zurück in ein Kriegslazarett. Aber ich glaube es wird doch nichts draus. Also das Essen ist ganz prima.

Haben jeden Mittag 3 Gänge. Immer Nachtisch dabei. Entweder Pudding oder sonst was. Gestern sind wir gewogen worden. Wie immer noch meine 70 kg.

Ich glaube Papa wirds auch gefallen hier. Immer schöner wie schaffen gegangen. Man muß eben sehen, wie man durchkommt. Will mal sehen, was sie mit uns machen. Ob sie uns in den Ersatzhaufen stopfen oder wieder zur Kompanie zurückschicken. Hoffentlich komme ich dann mal in Urlaub. Das wäre zum Abschluß ganz schön. Sonst dauert es doch noch eine schöne Zeit, bis ich mal dran käme.

Nun wa gibt es denn in H’stein neues? Habe nämlich lange keinen Brief mehr von Euch erhalten. Hoffe ja, daß morgen etwas dabei ist. Ich liege nämlich hier im Bett und weiß nicht, was ich treiben soll. Entweder wird gelesen oder geschlafen. Eins von diesen beiden gibt es nur. Ich darf nämlich noch nicht aufstehen. Für heute nun mal wieder genug. Viele herzliche Grüße und alles Gute sendet Euch Adolf

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Ausgewählte Feldpostbriefe 1943

Liebe Eltern!

Gestern auf meinen Geburtstag habe die 4 Päckchen mit Plätzchen erhalten. Danke Euch auch recht herzlich dafür. Schickt mir aber bitte nichts mehr. Solange ich noch hier im Lazarett bin, ist es wirklich nicht nötig. Liebe Eltern, die letzten 4 Tage habe ich hier etwas ausgehalten. Hatte die meiste Zeit über 38,5 ° Fieber. Hatte dieselbe Schweinerei wieder im Hals wie immer. Heute morgen mit Gewalt bißchen heiße Suppe gegessen, dabei wars nun aufgegangen. Der Arzt sagte, jetzt wäre die Krankheit erst richtig zum Ausbruch gekommen. Das war gestern ein schöner Geburtstag. Aber er ist vorbeigegangen.

Liesel hat mich in der letzten Woche öfters angerufen. Heute will ichs mal probieren, ob wir mit Euch zuhause Verbindung bekommen. Es würde Euch doch auch sicherlich freuen. Weller wird vielleicht Samstag entlassen. Schade, daß wir nicht zusammen raus kommen. Ich muß jetzt wieder feste im Bett liegen bleiben. Aber sonst geht es mir wieder so einigermaßen. Welches ich ja von Euch auch hoffe.

Nun für heute mal genug. Kann nicht soviel schreiben, denn der Schädel brummt noch ganz ordentlich. Bestellt doch bitte an Oma einen Gruß. Sagt ihr, ich hätte ihr Päckchen mit Plätzchen erhalten. Würde ihr demnächst schreiben.

Viele Grüße und alles Gute wünscht Euch Adolf

Liebe Eltern!

Soeben habe ich Eure beiden Briefe vom 30.3. und 1.4. erhalten, wofür ich Euch recht herzlich danke. Habe mich sehr gefreut darüber. Ich glaube Zuhause ist Eurem Schreiben nach auch wieder allerhand gefällig. Wenn da einer mal etwas schreibt, das wissen ja gleich alle untereinander. Bin immer noch hinten beim Troß. Meine Wunde ist noch nicht heil.

Es geht toll zu hier. Eben ist gerade wieder einer zurückgekommen. Er ist aus der Gefangenschaft durchgegangen. War für uns schon vermißt. Sind noch ein paar, hoffentlich kommen die auch noch. Ich habe auch schon 2 Nahkämpfe und 2 Stürme, welche durch Zeugen bestätigt sind. Noch einen, dann gibts schon das Sturmabzeichen. Meinen ersten Angriff werde ich auch nicht vergessen. Da brachte ich 5 Gefangene zurück zum Verhör. Keine 500m von meinen Kameraden weg kommt plötzlich so 10m vor mir ein Russe mit aufgepflanztem Seitengewehr auf mich zu.

Ich glaube so schnell wie da habe ich das Gewehr noch nicht hochbekommen. Da gabs den Knall und da überschlug er sich auch schon. Mein Leben bringe ich keine Gefangenen mehr zurück. Lieber schieße ich sie gleich über den Haufen, wie so eine Schweinerei noch mal mitmachen. Als das vorbei war, haben sie mich mit MG und Granatwerfer beschossen. Ich kann Euch sagen, wie ich mit denen da durch war, hing mir aber die Zunge im Hals raus, so sind wir gelaufen. Aber Glück muss man eben haben.

Sonst wüßte ich nichts mehr zu schreiben. Seid nun recht herzlich gegrüßt und alles Gute von Eurem Adolf.

Liebe Eltern!

Mit großer Freude habe ich Papas Brief und das Bild erhalten. Wofür ich recht herzlich danke. Werde es demnächst wieder abschicken, denn die gehen mir alle kaputt. Wie Papa mir geschrieben hat, hat er ja das Kästchen mit den Zigarren erhalten. Heute ist es 1. Mai. Liebe Eltern, was war das Zuhause immer ein Fest. Ist jetzt schon das 2. Mal, wo ich nicht zuhaus bin. Na vielleicht ist es bis nächstes Jahr anders. Habt Ihr die 100 RM erhalten?

Nun lb. Eltern seid für heute herzlich gegrüßt, und Dir liebe Mama wünsche ich zum Muttertag  alles Gute

Euer Adolf (Anm.: Inzwischen nicht mehr Soldat, sondern Gefreiter)

Liebe Eltern!

Will Euch einige Zeilen zukommen lassen. Werdet lange keine Post mehr von mir erhalten haben. Ich auch von Euch nicht. Liege nähmlich augenblicklich im Lazarett, habe Malaria. Ja liebe Eltern das hat man als drin bei der Scheiße. Habe als 40 Fieber, dann wieder weg.

Die ganzen Knochen tuhen weh. Bekomme jeden Tag eine große Spritze voll Zeug in den Hintern gespritzt. Ich kann Euch sagen , das ist wirklich nichts angenehmes. Hoffentlich gehts wieder ganz weg. Wenn nur die Scheiße bald mal ein Ende hätte. Mir reicht es voll und ganz. In Urlaub schicken sie uns auch nicht. Da wirds Mai/Juni drüber werden. Aber wer weiß, wie es in dieser Zeit aussieht. Komme heute wieder in ein anderes Lazarett. Die werfen uns dauernd hin und her. Aber das schadet nichts, bin auf alles abgehärtet. Habe bereits 4 Tage gebraucht, bis ich hier war. Als von einem Fahrzeug aufs andere gesprungen. Ich kann Euch sagen, das war vielleicht eine Tour. Aber immer besser, wie sich mit dem Russen herumhauen. Auch dieses muß mal ein Ende nehmen. Aber erst lasse ich mich mal richtig auskurieren. Habe mirs beim Barras geholt, dann mag ers auch wieder wegschaffen.

Nun wie geht es Euch denn zuhause. Hoffentlich noch gut. Was machen die Flieger. Habt Ihr noch viel Alarm. Haben sie schon Bomben geworfen. Hier hauts fast jeden Tag hin. Ist was anderes wie zuhause beim Herd gesessen. Hier muss man nur handeln und aufs Ganze gehen. Wenn man sich unterkriegen läßt, ist man verloren.

Nun zum Schluß wünsche ich Euch alles Gute und seid vieltausendmal gegrüßt aus weiter Ferne von Eurem Adolf.

Liebe Eltern!

Heute haben wir dem Kalender nach wieder mal Sonntag. War sehr überrascht, als ich heute morgen 4 Päckchen mit Plätzchen und den lb. Brief vom 17.8. von Euch erhielt. Liebe Eltern, danke Euch recht herzlich dafür. Hatte nähmlich lange keine Post mehr von Euch erhalten.Umso größer war jetzt die Freude. Dachte ganz bestimmt, es wäre irgend etwas vorgefallen. Wo die Flieger jetzt andauernd so hausen. Die Plätzchen schmecken ganz prima. Habe ein Kochgeschirr voll Rotwein dabei. Dann müßte man das ja eigentlich aushalten können. Aber trotzdem ist alles Scheiße. Ist nicht schöner wie Zuhause.

Weller ist gestern schwer verwundet worden. Soviel ich gehört habe, ist ihm ein Splitter in den Bauch und einer in die Brust gegangen. Dann der Kleine, der mit mir im Urlaub und schon 2x verwundet war, ist auch gefallen. Ich glaube, daß er von Laufdorf war. Watz schreibt er sich. Hat beide Beine abgerissen bekommen. Sind auf Minen gelaufen. Ja liebe Eltern, das haut schwer hin. Mit Weller säh es auch sehr mies aus. Ja ich will ja nicht schwarz sehen für ihn. Hoffentlich übersteht ers gut. Ja liebe Eltern, so hatte ich mir das auch nicht vorgestellt. Aber es ist die reine Wahrheit. Liebe Eltern, könnt mir ruhig glauben. Ich will 10x lieber gegen Engländer und Amerikaner kämpfen wie gegen diese hinterlistigen Schweine hier. Der Krieg hier ist bestimmt meiner Ansicht nach sehr ausgeartet.

Sonst lb. Eltern ist bei mir noch alles beim Alten. Will nun schließen. Fängt schon an dunkel zu werden, und ich will den Brief gleich mit zurücknehmen. Einen recht frohen Sonntagsgruß und alles Gute wünscht Euch

Adolf

Liebe Eltern!

Habe heute einen Haufen Post von Euch erhalten, und zwar 3 Päckchen mit Plätzchen, 2 Briefe, einer vom 30.7., der andere vom 5.8. und die beiden Ansichtskarten. Liebe Eltern, habe mich sehr gefreut darüber und danke Euch auch recht herzlich dafür. Die Päckchen kamen gerade richtig. Habe nähmlich seit vorgestern dermaßen den Durchfall, dass es nur so rauscht. Deshalb sind die Päckchen mal etwas anderes. Kann doch sonst nichts essen.

Liebe Eltern gestern war es Sonntag. Will Euch mal kurz eine hitzige Geschichte erzählen, welche mir gestern morgen passiert ist. Also wie ich Euch ja schon geschrieben hatte, kann bei mir nachts keiner schlafen. Lag nun gestern morgen in meinem Bunker und schlief. Um 10 Minuten vor 11 Uhr kam mein Kamerad und wollte mich wecken. Er machte die Zeltbahn vorne vom Loch weg, und da tat er auch schon einen Schrei. Ich wurde wach und fiel fast in Ohnmacht. Da saß doch eine fast einen Meter lange Giftschlange nicht weit von mir und züngelte mit ihrer gespaltenen Zunge in der Gegend herum. Ich blieb nur starr sitzen. Brachte nur das Wort Karabiener heraus. Mein Kamerad lief nun schneller wie ein Hund und gab mir ganz sachte das Gewehr. Das Biest saß jetzt nur noch einen halben Meter vor meinem Kopf. Ich aber stur und wartete einen günstigen Moment ab. Und dies passierte auch ganz schnell. Sie hob nähmlich den Kopf und diesen mußte ich erwischen. Ich schoß, und traf sie am Kopf. War auf der Stelle tot. Ihr könnt mir ruhig glauben, vor den Russen hätte ich kein Herzklopfen gekriegt und wenn sie ein paar Meter vom Loch gewesen wären. Aber so etwas hatte ich einfach noch nicht mitgemacht. Hier gibts ein Ungeziefer, man kann sich manchmal kaum noch retten. Wespen gibts hier, es ist schrecklich. Auch Schildkröten und so Zeug gibts hier. Also es ist einfach toll. Aber auch dieses wird mal vorüber gehen. Bischen Glück gehört natürlich dazu.

Nun hat sich Papa bemüht, und hat mir ein Feuerzeug und Rasierklingen organisiert. Hoffentlich kommts an. Habe ja schon eins, aber das funktioniert nicht richtig. Benzin können wir genug bekommen. Nur haberts dann immer mit Dochte und Steine. Liebe Eltern hoffentlich ist der Brief von dem Urlauber angekommen. Dieser hat auch meine Uhr mitgenommen zum machen. Wenn er sie nicht gemacht bekommt, wird er sie Euch schicken. Müßt dann mal sehen. Gehen tut sie noch prima, nur das Glas ist kapputt.

Stahl hat nun auch seinen Urlaub herum. Wird nicht lange dauern, dann wird er wieder bei uns sein. Nun liebe Eltern will ich für heute mal schluß machen. Entschuldigt bitte die schlechte Schrift.

Habe nähmlich zu nichts Lust. Wißt ja wie das so ist, wenns einem nicht gut ist.

Seit nun recht herzlich gegrüßt und alles Gute von Eurem Adolf

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Ausgewählte Feldpostbriefe 1944

Liebe Oma!

Will Dir auch wieder mal ein paar Zeilen schreiben. Hoffentlich geht es Dir noch gut, was ich auch von mir noch berichten kann. Werde in Kürze wieder hier weg kommen. Bin auch froh. Hier ist ja doch nichts los. Der Urlaub ist jetzt alle rum, dann ists ja auch schließlich egal. Papa war am Samstag bei mir. Durfte nicht rein. Hat bei mir in der Kaserne gesessen.

Wünsche Dir nun weiterhin alles Gute und sei recht herzlich gegrüßt von

Adolf.

Ffm.

Liebe Eltern!

Will euch auch nochmal von hier einen Brief zukommen lassen. Rühl von Naunheim wird euch ja meine Lage erzählt haben. Hoffentlich hat er die Zigarren und die Zahnbürste nicht vergessen zu übergeben. Ja liebe Eltern so ist das. Eingekleidet bin ich schon. Kommt bitte nicht mehr hier her. Tut mir den gefallen. Es fällt mir nämlich immer sehr schwer, wenn einer bei mir war, und ich muß dann hier bleiben und kann nicht mit. Ist eben nichts daran zu ändern. Auch dieser Tag wird wieder einmal kommen, wo ich wieder ganz zurück sein kann. Also kommt bitte nicht mehr. Kann dann schon der Fall sein, daß wir schon weg sind.. Weiß nämlich nicht, wann es los geht. Ist ja auch ziemlich egal. Es wird und muß hinhauen nicht war. Hier das ist ja auch ein ganz sturer Haufen. Hier würde ichs nicht aushalten.

Sonst liebe Eltern wüßte ich nichts mehr zu schreiben. Solange ich hier bin werde ich jeden Tag noch einen schreiben. Seid mir recht herzlich gegrüßt und alles Gute wünscht Euch Euer Adolf

Auf Wiedersehen!!

Liebe Eltern.

Bin wieder gut hier gelandet. Alles ging glatt und ohne Zwischenfälle. Also wieder mal Glück gehabt. Habe eben etwas gegessen, und sitze in der Apfelweinwirtschaft und trinke noch ein paar Bier zum Abschluß. Also nochmals alles Gute und recht viele Grüße sendet Euch Adolf.

Liebe Eltern!

Will Euch nochmal einen Gruß schreiben bevor wir über die Grenze starten. Ja lb. Eltern dann geht der Rummel wieder los. Zuhause war es doch schöner. Aber diese Zeit wird auch wieder mal kommen. Will mal die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben. Obwohl das ja hier ein großer Hoffnungsloser Fall ist. Aber auch dieses werde ich wieder durchbeißen. Euch weiterhin alles Gute wünschend verbleibe ich mit den besten Grüßen

Euer Sohn Adolf

Liebe Oma!

Die besten Grüße von der Fahrt nach dem Osten sendet Dir Adolf. Glaube daß wir bald am Ausladebahnhof sind. Dann geht das remmisch demmisch wieder los. Aber ich will mal nicht zu schwarz sehen. Wird schon wieder hinhauen. Gehen wenigstens die Urlaubsgedanken aus dem Kopf. Sonst geht’s mir noch gut. Hoffe dasselbe auch noch von Dir.

Gruß Adolf

Auf Wiedersehen!!!

Liebe Eltern!

Haben gerade wieder mal ein bischen Aufenthalt, da will ich es nicht versäumen, Euch wieder ein paar Zeilen zu schreiben. Wo wir jetzt stecken, weiß ich selbst nicht. Glaube, wir sind augenblicklich noch in Ungarn. Ja lb. Eltern hier wird man vielleicht durch die Gegend geschaukelt, da ist wirklich alles dran. Fahren jetzt schon 6 Tage. Ich wünschte wir wären bald dort. Schnee liegt hier auch in rauhen Mengen. […]

Viele Grüße und alles Gute wünscht Euch Adolf

Mittwoch

Liebe Eltern!

[…] Sind nun schon 8 Tage unterwegs. Weiß der Teufel wo sie uns hin verfrachten.. Einmal in Ungarn, einmal Rumänien. Ich wünschte wir wären bald dort. Ist so ein richtiges Sauleben. […]

Liebe Eltern!

[…] Sind immer noch auf dem Transport. Stecken irgendwo in Rumänien. Es ist zum kotzen. Wünschte wir wären bald dort. Aber trotzdem, immer noch besser wie vorne im Loch gesessen. […] Ja lb. Eltern so ist das. Ist wieder etwas anderes, wie zuhause die dummen Streiche gedreht. Aber trotzdem, es müßte doch etwas gedreht werden. Die Hauptsache, es war schön, und es wird auch wieder so werden. Da Garantiere ich für. Es muß ganz einfach wieder hinhauen. Darf sein wie es will. […] Will nun schließen bis auf weiteres so Gott will.

Liebe Eltern!

Haben gerade wieder mal längere Zeit Aufenthalt. Da will ich Euch wieder ein paar Zeilen schreiben. Sind immer noch auf Fahrt. Wird auch noch einige Tage dauern. Sitze gerade in so einem Bremserhäuschen und schreibe. Da ist wirklich mal wieder alles dran. Ist zum kotzen. Eine elende Schweinerei. Aber auch diese wird wieder vorüber gehen, und dies vielleicht ganz schnell. Wollen eben das Beste hoffen. Ja lb. Eltern es ist eben nicht leicht wenn man schon mal in der Scheiße gesteckt hat, und muß wieder hin. Aber ein bischen Glück, und dann geht alles wieder. Bin nur mal gespannt wann ich mal die erste Post wieder bekomme. Ich glaube da gehen 2 Monate drauf. Liebe Eltern, das eine will ich Euch nun noch sagen, macht Euch bitte bitte keine Gedanken um mich. Hat ja keinen zweck. Es geht doch alles seinen Gang wie es gehen soll. Wenns eben schief geht. Hätten wir eben Pech gehabt. Müßt immer denken, sinds nicht alleine.

Nun für heute wieder mal genug. Recht viele Grüße und alles Gute wünscht Euch Adolf

Feldpoststempel

Gefr. Hammer z.Zt. auf Marsch

Liebe Oma!

[…] Bin augenblicklich immer noch auf Fahrt. Sind jetzt schon bald 14 Tage. […] Gestern sind wir ein Stück am schwarzen Meer entlang gefahren. Erst durch Ungarn und Rumänien. Da kannst du dir mal ein Bild machen, wo sie uns alle herumgeschaukelt haben. Aber das wird auch wieder mal vorüber gehen. […] Sei für heute recht herzlich gegrüßt und alles gute wünscht Dir

Adolf

Liebe Eltern!

Bin wieder glücklich bei meinem alten Haufen gelandet. Liegen dort, von wo Nabs Heim (?) geschrieben hat. Es ist mit einem Wort toll hier. Ein Schlamm man kommt überhaupt nicht vom Platz. Man sinkt ein bis an die Knie. Es ist gerade zum weinen, wenn man so etwas sieht. Heute abend geh ich mit in Stellung. Ich glaube, ich muß die Ohren ziemlich steif halten. Aber trotzdem es wird schon hinhauen. Sind noch ziehmlich von meinen alten Kumpels hier. Also trifft doch nicht jede Kugel. Liebe Eltern die Post ginge sehr schlecht hier. Also wenn ihr mal lange keine bekommt, macht Euch dann bitte nicht gleich Gedanken. Ihr wißt ja dann bescheid. Päckchen gehen überhaupt keine. Also mir keine schicken. Bekomme sie doch nicht. Sonst wüßte ich nichts zu schreiben. Ich glaube hier geht auch alles als Luftpost. Seid nun recht herzlich gegrüßt und alles Gute wünscht Euch Euer Sohn Adolf

Auf Wiedersehen

F.P.N. 11347

Liebe Oma1

Die besten Grüße von hier sendet Dir Adolf. Bin wieder glücklich bei meinem alten Haufen gelandet. Ist eine tolle Sache hier. Alles einen Schlamm. Läuft einem gerade so die Stiefel rein. […] Gruß Adolf

Liebe Eltern!

Heute vor einem Jahr war mein erster Urlaub zu Ende, und somit auch der erste Sprung in das blöde Rußland. Ja liebe Eltern so ist das. Alles Scheiße wo man hinsieht. Aber das wird auch wieder vorüber gehen. Wollen eben das Beste hoffen. Wünschte mir würde bald mal Post von euch erhalten. Hoffentlich hat ihr meine erhalten. Sonst sehe ich ja äußerst schwarz. Vor März werde ich wohl keine bekommen. Schickt mir bitte keine Päckchen. Diese kommen nämlich überhaupt nicht an.

Nun was gibt es denn Zuhause neues? Mir gehts bis jetzt noch gut. Hoffe dasselbe auch mal von Euch. Will nun schließen bis auf weiteres so Gott will. Viele herzliche Grüße und alles Gute wünscht Euch Euer Sohn Adolf

Auf Wiedersehen

Liebe Eltern!

Mit großer Freude und Überraschung erhielt ich gestern abend Euren lb. Brief vom 31.I. Wofür ich Euch herzlich danke. Habt doch eine gute Nase. Hoffentlich schreibt Ihr nochmal in der Zwischenzeit, sonst kann ich eine schöne Zeit warten. Die post ist doch eben mit das Einzige worauf man wartet. Ihr müßt doch ziemlich von mir erhalten haben. Habe nämlich von der Fahrt öfters geschrieben. Ist mir das Einzige, es dauert eben alles zu lange.

Wie ihr nun schreibt, hat der Burgsolmser das durch die Neebs kleine bestellt. Na dann wüßtet Ihr doch wenigstens, daß ich weg war. Bill und der Burgsolmser sind nicht bei mir. Welches ich sehr bedauere. Sind alle auseinander gerissen worden. Ich bin auch zu keiner Gruppe gekommen. Bin hinten auf dem Komp. Gefechtsstand. Wünschte aber, ich käme bald nach vorne zu meinen alten Kumpels. Will mal sehen wie es weitergeht. Hier ists ja auch ganz schön.

Nun für heute wieder mal genug. Viele Grüße und alles Gute wünscht Euch Euer Adolf

Liebe Eltern!

Will Euch wieder ein paar Zeilen schreiben. Weiß ja doch, daß Ihr jeden Tag auf Post von mir wartet. Werdet sicherlich nicht öfters bekommen da sehr wenig weg geht.

Seit vorgestern ists wieder richtig Winter hier geworden. Liegt wieder Schnee, und ist wieder mords Eisluft aufgetreten. Na ja, das wird auch wieder vorüber gehen. Wie ists denn bei Euch zuhause? Habt Ihr auch noch mal Winter bekommen? In einem Teil ists ja ganz gut. Der Schlamm ist wenigstens weg. Die kälte werde ich auch nochmal durchbeißen.

Liebe Eltern, wenn Ihr mir Briefe schreibt, tut bitte in jeden einen F.P. Brief beilegen. Mit dem Briefpapier ist es nämlich Scheiße hier. Päckchen gehen von hier keine weg. Ist schade. Sonst hätte ich Papa schon etwas geschickt..

Ja lb. Eltern so ist das. Zuhause war es doch schöner. Aber die Zeit wird auch wieder mal kommen. Aber hoffentlich bald.

Sonst lb. Eltern geht es mir noch gut. Was ich auch von Euch mal hoffe.

Will nun schließen bis auf weiteres.

Viele herzliche Grüße und alles Gute wünscht Euch

Adolf

Auf Wiedersehen!!!

Bald Antwort!!!

Liebe Oma!

Habe am 18. einen Streifschuß am linken am linken Schienbein bekommen. Bin gestern vom Hauptverbandplatz zu Troß zurückgekommen. Ist nicht schlimm. Nur eine Fleischwunde. Werde solange hinten bleiben, bis es wieder geheilt ist. Haben in den letzten 3 Tagen schwere Kämpfe gehabt. Mein Zug und Gruppenführer alles gefallen. Sind nur noch ungefähr 25 Mann in der Komp. Es waren harte Kämpfe. Haben Tag und Nacht im Feuer gelegen. Man meinte die Hölle wäre losgebrochen. Aber es ist auch vorüber gegangen. Nur die Füße habe ich mir etwas erfroren. Jetzt wo sie warm geworden sind, merkt man es erst. Sonst hat man überhaupt kein Gefühl drin. Sonst geht es mir noch gut. […]

Liebe Eltern!

Habt vielen Dank für Euren lieben Brief vom 14.3. worüber ich mich sehr gefreut habe. Hoffentlich habt ihr jetzt in der Zwischenzeit einen Brief von mir erhalten. Diesem Schreiben nach macht ihr Euch ja schwer Gedanken zu Hause liebe Eltern. Dies ist doch vollständig zwecklos. Ich habe es Euch in den anderen Briefen schon geschrieben. Laßt doch alles kommen wie es will. Mir ist alles vollständig gleichgültig. Bin immer noch hinten beim Troß. Meine Verwundung eitert ?? .Alber Schmidt von Naunheim das stimmt. Er ist in einem Lazarett gestorben. Was werden dem seine Eltern auch ?? machen. Ich sehe sie einmal noch vor mir stehen wie ich in Urlaub war. Zum Gefreiten haben sie ihn noch vorher befördert. Viel ?? dort ist auch ?? der Schmidt gefallen. […] Mir geht es bis jetzt noch gut welches ja Dein Brief ?? bei Euch auch noch der Fall ist. Jetzt wüsste ich nichts mehr zu schreiben. Nun seid herzlichst gegrüßt und alles gute von Eurem Adolf

siehe auch Bilder

Undatiert

Die Vorderseite zeigt ein koloriertes Bild von einem Geschenketisch mit Blumen, Wein, Zigarren Schokolade und der Aufschrift

Viele herzliche Wünsche zum Geburtstag

Rückseite:

Sendet Dir
Adolf

Lieber Papa!

Zu Deinem Geburtstag wünsche ich Dir nochmals alles Gute.

Sowas was vorne auf der Karte ist gibt’s im 5. Kriegsjahr nur noch auf dem Papier. Aber trotzdem auch dieses geht mal vorüber.

Briefe der Eltern und Oma an Adolf, die offensichtlich bei Adolf nicht angekommen sind

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Briefe der Eltern, die Hammer nicht mehr erreichten

Briefumschlag

Feldpoststempel

Gefr. Adolf Hammer

Feldpostnr. 11347

Abs. Frau Marie Rauch

Hermannstein Wetzlar Lahn

Stempelaufdruck:

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Neue Anschrift abwarten

Feldpost per Luftpost an Gefr. Adolf Hammer

Stempelaufdruck:

Abs. J. Hammer, Hermannstein

Mein lieber guter Adolf!

Ich muß Dir wieder mal ein paar Zeilen schreiben. Ich habe ja noch keine Nr. von Dir, aber ich glaube es kommt schon an. Wo wirst Du anders hingekommen sein, als zu Deiner alten Einheit. Da geht es ja toll her. Man hat Tag & Nacht keine Ruhe. Morgen werden es 3 Wochen, als Du ausrücktest. In Frankfurt hat sich seit dieser Zeit auch vieles geändert. Dreimal ist die Stadt in dieser Zeit angegriffen worden. Lege Dir mal einen Zeitungsauschnitt bei. Im stillen habe ich gedacht, wer weiß wo es gut für war, daß Du gleich ausrücktest. Gefahr ist ja jetzt überall, hoffentlich kommst Du auch da wieder gut raus, wir wollen den Mut nicht sinken lassen, hast ja bis dahin Glück gehabt. Hattest den schönen Urlaub, Deine Kleider liegen noch darum. Man kann es einfach nicht glauben, daß Du jetzt schon wieder in Rußland bist. Aber es wird und muß wieder alles gut werden. Deine Briefe von der Fahrt haben wir erhalten Vielen Dank! Es grüßt Dich tausendmal Mama und Papa

Stempel:

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Neue Anschrift abwarten

Ansichtskarte

Stempelaufdruck:

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Neue Anschrift abwarten

Hermannstein am 16.2.44

Unser lieber Adolf!

Haben vier liebe Briefchen von der Fahrt erhalten, danken Dir von ganzem Herzen dafür. Nehmen an, daß Du zu deiner alten Einheit kommst. Hoffentlich geht es dir noch gut, welches auch bei uns der Fall noch ist. […] Auch deine Einheit hat Dein letztes Inventar an uns zurückgeschickt, nämlich Dein Säckchen mit Nähzeug Butterdose & Zahnbürste. Sonst ist noch alles beim Alten. Es grüßen Dich vieltausendmal aus der Heimat und wünschen Dir alles Gute Deine Eltern.

Feldpostbrief mit Datumsstempel an Adolf Hammer von Frau Marie Rauch:

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Neue Anschrift abwarten

Mein lieber guter Adolf!
Ich muß Dir wieder mal ein Briefchen schreiben. Seit 11 Wochen warten wir auf Nachricht von Dir aber immer vergebens. Am 17. Febr. solltest du verwundet worden sein wie uns Bill, Hermann und Rahn schrieben, wir glaubten ganz bestimmt wir bekämen aus einem Lazarett von Dir, aber jetzt nach 11 Wochen wagt man kaum noch zu hoffen. Vielleicht erreich dich ja dieser Brief. Ich weiß mein lieber Adolf, daß du noch lebst, ich fühle es, deshalb muß ich Dir wieder mal schreiben. Liegst vielleicht in Rumänien und es geht keine Post weg oder bist schon verwundet und konntest nicht gleich schreiben. Deine ganzen Kameraden wissen nicht wo Du geblieben bist. Sie liegen alle in Deutschland. Bill liegt in Gotha. Rahn hat einen Armschuß, er ist in einem Heimatlazarett. Brück ist an beiden Beinen verwundet. Becker aus Burgsolms an der Schulter ist aber wieder geheilt. Nur Du mein lieber Adolf hast noch nichts von Dir hören lassen. Aber ich weiß mein liebes Kind, daß trotz allem Schweren wieder alles gut werden wird. Noch lassen wir den Mut nicht sinken. Du kommst auch wieder nach Hause. Bei uns ist alles beim Alten. Papa ist noch auf seinem alten Posten. Es gefällt ihm prima. Am 18. März haben wir vom Krieg auch einen kleinen Vorgeschmack bekommen. Eine Bombe fiel im Notwurf uns gegenüber der Dill. Sämtliche Fenster waren kaputt. Das Dach mußte neu gedeckt werden. Die Haustür ist gesplittert. Ist aber soweit wieder alles gemacht. Die Vorhänge lagen in den Zimmern. Dein Bildchen war vom Radio weggefegt, eine solche Gewalt hatte die Explosion. Aber denk Dir, mein lieber Adolf; als wir Dein Bildchen fanden, war es unversehrt geblieben. Seit dieser Zeit weiß ich, daß Du mein liebes Kind noch lebst. Ich sagte gleich zu Papa: Laß alles in Trümmern gehen, die Hauptsache, daß Adolfs Bildchen ganz geblieben ist, ein gutes Ohmen, daß er lebt.

Will nun für heute mal schließen, werde Dir von jetzt ab wieder laufend schreiben auch wenn wir keine Post von Dir bekommen, einmal muß sie Dich doch erreichen.

Es grüßen Dich vieltausendmal aus der fernen Heimat Mama & Papa

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Korrespondenz der Familie Hammer auf der Suche nach dem vermissten Sohn nach dem Krieg

Auskünfte Die Familie versucht, über ehemalige Kameraden Ihres Sohnes Auskunft über dessen Schicksal zu erhalten.

In den Antwortbriefen der Kameraden erfahren wir einiges über das Kriegsgeschehen.

Poststempel nicht lesbar

Amt für die Erfassung der Kriegsopfer

Deutschere Kriegsgefangenendienst

Bln.-Charlottenburg

Herrn
Johannes Hammere

Hermannstein b. Wetzlar

Auskunft

Betrifft: Gefr. Adolf Hammer, geb. 4.1.23.

Bezug: Antrag vom 5.12.46.

In der Kartei der Abwicklungsstelle der Dienststelle zur Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht liegt folgende Meldung vor:

Am 17.2.44 – 1 km ostw. Schentschenko bei Kriwoi-Rog verwundet – H.V.Pl. – V.L. Nr. 20, lfd. Nr. 74.

Weitere Nachforschungen sind in die Wege geleitet worden.

I.A.: Unterschrift

siehe auch Bilder von Adolf Hammer, Ablichtung des Originals

Sehr geehrte Familie Hammer!

Aus Ihren Schreiben kann ich sehen, daß Ihr Sohn Adolf ebenfalls, wie ich, Angehöriger der Gren.Rgt.81 war und der Feldpost-Nr. nach in der 3. Kp. gewesen ist. Der Name Hammer ist mir irgendwie bekannt. Wenn ich ein Bild sehen würde, könnte ich mich vielleicht genauer darauf besinnen. Ich selbst war Angehöriger der 2. Kp. und des Btl. Stoßzuges vom G.R.81. In den Februartagen waren wir in der Kamenka-Stellung bei Stalingrad (Kriwoi-Rog). Am 16.2.44 wurden wir abgelöst und eingeschoben bei der 62. Inf. Div. bei Schewtschenko (Alexandrowka) bei Apostolowo. Ich habe selbst am 19.2.44 eine Verwundung bekommen und bin über Hauptverbandsplatz 2/162 herausgekommen. Auch Ihr Sohn müßte, wenn er verwundet war, über diesen H.V.Platz in Kriwoi-Rog herausgekommen sein. Am 20.2.44 fuhr dann der letzte Laz.Zug aus Kriwoi-Rog. (B.V.Z.) Ich kannte noch einen guten Kameraden in der 3. Kp. aus meiner Heimat. An diesen habe ich gleichfalls heute geschrieben und will einmal Nachricht von ihm abwarten. Für heute bleibe ich mit freundl. Grüßen u. den besten Wünschen

Rudolf Rhöse

Aug. Rittmeier Schneidermeister

Steinbach

Sehr geehrter Herr Hammer!

Da wir diese Woche von unserem Sohn Otto Antwort auf den Brief erhielten, möchte ich Ihnen davon Kenntnis geben. Er schrieb daß er auf die Anfrage keine Antwort geben könnte, da er am 1. Dezember 1943 vor Kriwoi-Rog die Truppe wegen Krankheit verlassen mußte, und nie wieder zu ihr zurückgekommen ist. Wir bedauern es sehr da0ß wir Ihnen keine genaue Auskunft über Ihren Sohn geben können, wir hätten Ihnen gern eine gute Nachricht gegeben. In der Hoffnung daß Sie doch bald mal etwas erfahren von Ihrem Sohn möchte ich schlie0en.

Mit freundlichem Gruß

Fam. Aug. Rittmeier

Sehr geehrte Familie Hammer!

Ihren Brief vom 13.6.47 habe ich erhalten und kann Ihnen versichern, daß ich Ihren Sohn gekannt habe. Inzwischen habe ich dem Kameraden Birkefeld aus der 3. Kp. geschrieben. Er wohnt am Südharz in Wollersleben. Dann schrieb ich noch einem Otto Köhler aus Lisdorf in Thür, der auch in der 3. Kp. gewesen ist. […] Sehr geehrter Herr Hammer! Ich bin selber bei diesen Angriffsunternehmungen mit dabeigewesen. Wir griffen damals mit Sturmgeschützen und Panz. Selbstfahrlafetten an.Wir haben aber, so weit ich mich erinnere, sehr wenig Ausfälle gehabt. Diese wurden ordnungsmäßig auf einem in Häusern liegenden Verbandsplatz verbunden. Ich erinnere mich lediglich einer Tatsache, daß einzelne Züge von unserem Batl. mehrere Häuserreihen durchkämen mußten, wobei es aber, soweit ich gehört habe, zu keinerlei Kampfhandlungen gekommen ist. Es könnte aber sein, daß Ihr Sohn vielleicht irgendwie abgekommen und Partisanen in die Hände gefallen ist. Ich schreibe Ihnen dieses offen, damit Sie Bescheid wissen. Denn Verwundete sind damals nicht liegen geblieben. Die Kp. haben sogar ihre Toten beim Abmarsch (d.h. Ablösung) auf den Panzern mit zurückgefahren. Das habe ich selber beobachten können, weil mein Zug einer dere letzten war und deshalb zu Fuß zurücklaufen mußte. Ich hoffe gern, Ihnen recht bald einen genaueren Bescheid zukommen lassen können und inzwischen mit freundlichen Grüßen zeichnend

Ihr Rudolf Rhöse

Sehr geehrte Familie Hammer!

Heute will ich das Versäumte nachholen und kann Ihnen zu meinem Bedauern keine positive Nachricht geben. Die erwartete Nachricht von Birkefeld aus der 3. Kp. ist ausgeblieben und soviel ich erfahren konnte ist Köhler aus derselben Kp. wohl noch nicht aus der Gefangenschaft zurück oder er ist nicht mehr zu Hause. Liebe Familie Hammer! Ich bedauere außergewöhnlich, Ihnen nichts genaues mitteilen zu können. […] Wie ich Ihnen schon geschrieben, wurde ich am 19.2.44 bei Schewtschenko verwundet und kam auf den Hauptverbandplatz 2/162 Nr. 222 in Kriwoi-Rog, wo ich am 21.2.44 weitertranbsportiert wurde und zwar mit dem letzten Lazarettzuge, der von Kriwoi-Rog abgefahren ist. Es wäre die Möglichkeit noch, daß Ihr Sohn nicht transportfähig war und im (H.V.P.) Lazarett in Gefangenschaft geraten ist. Sonst müßte man doch irgend etwas weiter gehört haben von ihm. Aber wie gesagt, das sind nur Vermutungen. Schlimme Tage waren es damals; alles ing drunter und drüber und der Russe noch hinterher. […] und bleibe mit freundlichen Grüßen

Ihr Rudolf Rhöse

Bis heute ist ungeklärt, wo Adolf Hammer abgeblieben ist.

Danksagung

Wir danken Ralf Schnitzler, der von den Nachkommen der Familie Hammer die Feldpostbriefe der Eltern mit ihren Söhnen übernommen und archiviert hat, ausgesuchte Briefe hier veröffentlichen zu können.

Wir danken außerdem Klaus Kirdorf und Irmtrude Richter dafür, dass sie die Briefe gerodnet, gelesen und wesentliche Auszüge Hammers Korrespondenz mit seiner Familie digital erfassten. Eine nicht einfache Aufgabe, da die Briefe – auch aus Angst vor Zensur – kaum Angaben über den Kriegsverlauf beinhalten.

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Waldemar Lesser Umschlag für Feldpostbriefe VS
Feldpostbriefe heimischer Soldaten – Übersicht
Donsbach Juli 1941 gefangene Rotarmisten
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Feldpostbriefe Waldemar Lesser
Donsbach Juli 1941 Kameraden Donsbach, Stramm
Feldpostbriefe Fritz Donsbach
Donsbach Februar 1942 Patroullie Jagd auf Partisanen
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