Wetzlar erinnert e.V.
Wir denken an Marianne Peter

Wetzlar, den 08.02.2016
»Mit dem Tod von Marianne Peter (2016) hat der Verein WETZLAR ERINNERT e.V. nicht nur eines seiner Gründungsmitglieder verloren, sondern eine Frau, die sich schon Jahrzehnte vor unserer Vereinsgründung für ein aktives Erinnern und Gedenken zu Ehren der Opfer des Deutschen Faschismus engagierte«, erklärte Vereinsvorsitzender Ernst Richter. So war die Historikerin schon in den 1980er Jahren aktiv an der Aufarbeitung der Zwangsarbeit in Wetzlar beteiligt. In den 1990er Jahren interviewte sie Frauen, die zunächst auf Einladung der IG Metall und später als Gäste der Stadt Wetzlar von Ihren Erlebnissen als junge Zwangsarbeiterinnen berichteten.

Ein besonderes Augenmerk hatte Marianne Peter für die jungen Frauen und Kinder, die in den letzten Kriegs- und in den ersten Nachkriegsjahren auf dem Friedhof in Niedergirmes beigesetzt worden sind, weil sie die Strapazen der NS-Zwangsarbeit nicht überlebt hatten. Gestorben zumeist aufgrund der schlechten Lebens- und sehr harten Arbeitsbedingungen für die betroffenen Frauen. Wichtig war Peter, diesen zu tausenden aus ihrer Heimat verschleppten Osteuropäerinnen durch teils sehr mühsame Einzelrecherche in Archiven wieder ein Gesicht und einen Namen zu geben sowie die Unmenschlichkeit des Deutschen Faschismus begreifbar zu machen.

»Dank Ihrer profunden Kenntnisse konnte WETZLAR ERINNERT Anfang Juni 2014 eine historische Stadtteilführung durch Niedergirmes anbieten. Für rund 100 Wetzlarer/-innen war diese Führung ein Erlebnis, an das sie sich bestimmt auch heute noch erinnern werden«, schildert Richter seine Erinnerungen an diesen Tag.

Die Führung begann auf der »Ruhestätte ziviler ausländischer Kriegsopfer 1939–1945«. Dieses Gräberfeld wurde 1942 als von deutschen Gräbern abgesonderter Teil für ausländische Zivilpersonen angelegt. Hier wurden 289 meist sowjetische und polnische Zwangsarbeiter- und Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder aus Wetzlarer Betrieben und den Auffanglagern nach der Befreiung beerdigt. Peter berichtete zu einzelnen Schicksalen. Zweiter Schwerpunkt dieser Führung war das Aufsuchen des jüdischen Ghettos in der Jahnstraße, in der 1942 die noch in Wetzlar lebenden jüdischen Menschen ghettoisiert wurden, bevor sie in Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden.

Marianne Peter hatte sich federführend in einem Team engagiert, eine alte – von der IG Metall Wetzlar in Auftrag gegebene Ausstellung-  neu zu gestalten und diese an einem hierfür geeigneten Gedenkort in Wetzlar der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ihre schwere Erkrankung machte ihr einen Strich durch das Vorhaben. »Es wird unserem Verein ein wichtiges Anliegen sein, Marianne Peters Vorhaben zu realisieren«, erklärt der Vorstand von WETZLAR ERINNERT e.V.

Die familiäre Todesanzeige für Marianne Peter am 10.02.2016
Bilder von Marianne Peter:
  • links: Marianne Peter vor der Gedenktafel am Haus Jahnstraße 13 (Niedergirmes) in der sich 1942 – 1943 das Wetzlarer Judengettho befand
    Das Bild entstand bei der Stadtteilführung durch Niedergirmes am 02.06.2014.
  • mitte: Marianne Peter (ganz links) während der Führung am 02.06.2014 durch Niedergirmes. Hier auf dem Niedergirmeser Friedhof, auf dem sich die VDK-Gräberstätte mit dort beigesetzten Zwangsarbeiter*innen befindet.
  • rechts: Marianne Peter (rechts vorne), unter den anderen Gründungsmitgliedern von Wetzlar erinnert e.V. auf der Gründungsversammlung am 06.08.2013, die im Kulturzentrum FRANZIS stattfand.
Flyer für die Stadteilführung mit Marianne Peter am 02.06.2014 als PDF
WNZ-Bericht von der Stadteilführung mit Marianne Peter
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Aufnahme in einem Frankfurter Studio für die ARD-Sendung »Kinder des Kriegs«
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