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Ein Themenabend zur

Entstehung und Struktur der NS-»Euthanasie«
mit
Katharina Hruschka

Donnerstag, 9. April 2026, 19:30 Uhr
in der Alten Aula
Obertorstr. 20 | D 35578 Wetzlar

Eintritt frei

Eine Kooperationsveranstaltung mit dem

Hinweis:
Dieser Themenabend dient auch zur inhaltlichen Vorbereitung der zwei Tage später stattfindenden Exkursion am 11.04.2026 in die Gedenkstätte Hadamar.

Zum Thema Euthanasie
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Konterfei von Katharina Hruschka, Mudeumspädagogin
Bild © Stadt Wetzlar / Katharina Hruschka

Katharina Hruschka
ist Museumspädagogin im Team der Städtischen Museen in Wetzlar. Sie wird die Einführung in das Thema leisten.

Dieses Wort kommt aus dem Alt-Griechischen und meint eigentlich »Sterbehilfe«.
In Deutschland wird der Begriff »Euthanasie« aber nicht im Zusammenhang mit »Sterbehilfe« genutzt.

Man bezeichnet damit vielmehr ein Verbrechen während der NS-Zeit.
Während der Herrschaft der Nationalsozialisten von 1933 bis 1945 wurden viele Schwerstkranke, behinderte oder unheilbar kranke Menschen, darunter auch Kinder und alte Menschen, auf staatlichen Befehl hin getötet. In der verbrecherischen, völkischen Sicht der deutschen Faschisten handelte es sich bei diesen Menschen um »unwertes Leben«.

Die Faschisten haben diese Verbrechen als »Euthanasie« bezeichnet.

Im Menschenbild der Nazis – einer Mischung aus rassistischer Ideologie, Anti-Humanismus und zynischer Menschenverachtung – wird das Leben nach ökonomischen Kriterien beurteilt.

Wer den Normen und Werten des NS-Staates nicht entspricht, läuft Gefahr, nicht mehr als nützlich für die Volksgemeinschaft – als Volksschädling – eingestuft zu werden. Psychisch Kranke und Anstaltsinsassen gelten zunehmend als »Ballastexistenzen«, die zu beseitigen sind.

Auf Anordnung Hitlers wurde die Ausrottung »lebensunwerten Lebens« im Oktober 1939 offiziell verfügt. Vom »Gnadentod« ist zynisch die Rede, tatsächlich jedoch werden zigtausend Menschen ermordet – durch Medikamente, Nahrungsentzug oder quälende medizinische Tests. Auch in Wetzlar fallen Kinder und Erwachsene der »Euthanasie« zum Opfer.

Über die in der Berliner Tiergartenstraße 4 („T4“) eingerichtete Zentralverwaltung wird die Selektion der Opfer per Meldebogen und ihr Abtransport in eine der berüchtigten Vernichtungsanstalten Hadamar, Grafeneck, Sonnenstein, Brandenburg, Bernburg und Hartheim koordiniert.

Um das völkische Menschen- und Gesellschaftsbild in der Bevölkerung zu verankern, wurden vor allem die Jüngsten der NS-Propaganda schon in den Schulen ausgesetzt.

In den NS-Mathematik-Büchern wurden nun z.B. Dreisatz-Aufgaben als Textaufgaben wie folgt gestellt: »Ein Erbkranker kostet bis Erreichung des 60. Lebensjahres im Durchschnitt 50.000 RM. Wie viel Wohnungen kann man von diesem Geld für Deutsche Familien bauen, die im Schnitt 6.000 RM kosten?«

NS-Hetzpropaganda in den Schulbüchern des »Dritten Reichs«

Quelle: Bundesarchiv Berlin • Montage verschiedener Bilder durch Wetzlar erinnert e.V.

Die »Todesfabriken der Euthanasie« während der NS-Zeit waren zentrale Tötungsanstalten im Rahmen der euphemistisch als »Aktion T4« bezeichneten systematischen Massenmorde an Menschen mit körperlichen und psychischen Behinderungen sowie psychischen Erkrankungen.

Es gab sechs Hauptanstalten im damaligen Reichsgebiet, in denen die Opfer durch Gas ermordet und anschließend verbrannt wurden, um die Spuren der Verbrechen zu verwischen:

  • Bernburg (Sachsen-Anhalt)
  • Brandenburg a.d. Havel (Brandenburg)
  • Grafeneck (Baden-Württemberg)
  • Hadamar (Hessen)
  • Hartheim (Österreich, damals Reichsgau Oberdonau)
  • Pirna-Sonnenstein (Sachsen)

Die »Patienten« wurden in den grauen T4-Bussen abgeholt, in diese Vernichtungsanstalten fuhren und dort – noch in den Bussen – getötet wurden, in dem man die Autoabgase bei laufendem Motor in den luftdichtversiegelten Innenraum der Busse leitete. Später ließ man die Menschen in den Tötungsanstalten aussteigen und tötete sie nach Ihrer Registratur in als Duschräume getarnte Gaskammern. Die Leichname wurden anschließend in Krematorien verbrannt. Diese Tötungsmaschinerie verlief wie am Fließband.

Hierüber ist bisher wenig bekannt und ein weiteres Forschungsgebiet unseres Vereins.

2025 wurde einer von insgesamt 19 Stolpersteinen für Elisabeth Debus verlegt, die zunächst in die Anstalt Scheuern und von dort am 01.07.41 nach Hadamar verlegt wurde, wo sie am 01.07.1941 ermordet worden ist.

Am 13.04.2024 werden in Wetzlar 29 weitere Stolpersteine verlegt. Hierunter einer zu Ehren von Emilie Theiß, geb. Hahn, die am 7. April 1866 in Löhnberg geboren wurde. Ihr letzter frei bestimmter Wohnort war in der Gürtlergasse , Wetzlar. Sie ist ein weiteres Opfer der Euthanasie-Verbrechen, wurde wegen »Wahnideen« am 26. September 1933 in die Landesheilanstalt Herborn eingeliefert, wo sie bis zu ihrem Tode am 16. Dezember 1936 war. Laut ihrer Patientenakte ist sie an »Grippe-Pneumonie« am 16.12.1936 verstorben. Ihre Patientenakte wurde auffällig mit einem großen »E« versehen, welches unter der Überschrift »Landesheil- und Pflegeanstalt Herborn« gestempelt worden war. Das »E« steht für Euthanasie.

Wetzlar erinnert e.V. wird sich darum bemühen, dass für weitere Opfer der Euthanasieverbrechen aus unserer Stadt Stolpersteine verlegt werden.