WETZLAR ERINNERT e.V.
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Ted Rosenthal-Trio 
der New Yorker Jazz-Pianist gibt mit seinem Trio ein Konzert 

Am Di. 14.04.2026, 20:00 Uhr
Konzertsaal des Instituts für Musikwissenschaft und Musikpädagogik
der Justus-Liebig-Universität Gießen

Karl-Glöckner-Straße 21D | 38390 Gießen
Der Eintritt ist frei

Der Jazz-Pianist und Komponist Ted Rosenthal aus New York City gibt am Dienstag, 14.04.2026 mit seinem Trio ein Konzert in Gießen. Rosenthal ist zu Gast auf Einladung des Instituts für Musikwissenschaft und Musikpädagogik. Beide verbindet eine mehrjährige Kooperation in den Bereichen Erinnerungskulturen, Demokratiebildung und Musikpädagogik.

Sein Vater Erich war Student an der Gießener Universität und wurde 1933 von dort verwiesen, weil er Jude war. Über seine Familiengeschichte hat Ted Rosenthal für die New York City Opera die Jazz-Oper »Dear Erich« komponiert. Im Konzert zu hören sind Trio-Bearbeitungen von Titeln aus der Oper. Diese sind Teil seines aktuellen Albums »The Ted Rosenthal Songbook«, das der Pianist in Gießen vorstellt. Außerdem präsentiert Ted Rosenthal bei seinem Auftritt Musik aus zwei weiteren soeben erschienen Aufnahmen: Das Album »Classics Reimagined:Impromp2« widmet sich mit eindrucksvoller Kreativität klassischen Werken in jazziger Interpretation und die Platte »The Good Old Days« belebt mit großer Eigenständigkeit die Frühzeit des Jazz. Die Veranstaltung wird ermöglicht durch Unterstützung der JLU.

Einzeleheiten zum Trio:

Ted Rosenthal aus New York City
zählt zu den international angesehensten Jazz-Pianisten seiner Generation. Seine Karriere umfasst die Zusammenarbeit mit einigen der wichtigsten Persönlichkeiten des Jazz, wie Ron Carter und Gerry Mulligan. Er verfügt über zwanzig Alben unter eigenem Namen, von Solo bis zu großen Ensembles und erhielt als Leader eine Grammy-Nominierung. Mit ihm zu hören sind Martin Gjakonovski am Bass und Berthold Möller am Schlagzeug.

Martin Gjakonovski
gilt als einer der profiliertesten Jazzbassisten Europas. Mit seinem authentischen und vielseitigen Spiel bewegt er sich in verschiedensten Jazz-Szenen von Avantgarde über Mainstream bis World Music. Er wirkt mit auf 200 CD-Produktionen und teilte die Bühne mit Dusko Goykovich, Bob Berg, Antonio Farao, Lynne Arriale, Bireli Lagrene, Richie Beirach, Benny Golson und vielen anderen.

Den Schlagzeuger Berthold Möller führten sein facettenreiches und prägnantes Spiel auf Bühnen Europas und der USA und zur Zusammenarbeit mit so unterschiedlichen Künstlern wie Michael Wollny, Ingolf Burkhardt, Marc Secara und John Lee Hooker Jr.. Sein großes Gestaltungsvermögen ist aktuell zu hören auf dem Bigband-Album „The Planets Jazz“, das für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert wurde.

Berthold Möller ist Dozent am Musikinstitut der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Teds Familie lebte bis 1942 in Wetzlar. Sie wurden als jüdische Familie während der NS-Zeit schrittweise ihrer Lebensgrundlagen beraubt.

Tesds Großvater Theodor wurde am Tag nach den Reichspogromen am 10.11.1938 wurde Theodor Rosenthal verhaftet, in das Wetzlarer Gefängnis eingeliefert und am 11.11.1938 in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Mit bald 60 Jahren konnte er die körperlichen Erniedrigungen und das damit verbundene seelische Trauma des KZ-Aufenthalts nicht verkraften. Er verstarb am 02.12.1938 im Jüdischen Krankenhaus, Frankfurt.

Teds Vater Erich studierte von 1931 bis 1933 in Gießen und Bonn. Im März 1933 zwangen ihn die Nazi-Studenten, die Justus-Liebig-Universität zu verlassen. Ihm gelang es, in die USA zu fliehen. Nach Fortsetzung und erfolgreichem Abschluss seines Studiums erhielt Erich Rosenthal eine Professur in Soziologie am Queens College der City University of New York, die er bis zu seiner Pensionierung 1979 innehatte. Das Ansinnen seiner Familie, zu ihm in die USA zu ziehen, scheiterte.

Seine Mutter Hertha, Großonkel Theodor und Großtante Herta und deren Kinder Ernst und Gerda wurden 1942 in den NS-Vernichtungslager im Osten ermordet.

Teds Vater Erich musste aus seinem Exil in den USA erleben, wie seine Eltern, Geschwister, seine Tante und deren beide Kinder den immer schlimmer werdenden Exzessen der Nazis ausgesetzt waren und ihre Sehnsucht, ebenfalls aus Deutschland ausreisen zu können, sich nicht realisieren ließ. Ihn überfiel ein Schuldgefühl, als Retter versagt zu haben. Er benötigte professionelle ärztliche Hilfe gegen seine schweren Depressionen. Seinen Kindern gegenüber verschwieg er dieses Leiden, das seine Kinder Barbara und Ted aber dennoch verspürten. Die Kinder konnten sich jedoch nicht erklären, was ihrem Vater derartige Sorgen bereitete. Ted Rosenthal hat hierzu eine Oper »Dear Erich!« komponiert.

Die Verlegung der Steine durch den Kölner Künstler Demnig findet statt am

Mo., den 13. April 2026, ab 10 Uhr
Bahnhfostraße, Ecke Bannstraße,
vor dem Überweg zum Einkaufs-Center Forum.

Die Steine werden gewidment:

  • Theodor Rosenthal (* 1881 | 1938 in Frankfurt a.M.)
  • Hertha Rosenthal (geb. Landau, * 1888 | 1942 in der Region Lublin)
  • Bernhard Rosenthal (* 1883 | 1942 in der Region Lublin)
  • Minna Rosenthal (* 1896 | 1942 in der Region Lublin)
  • Ernst Rosenthal (* 1923 | 1942 in Majdanek)
  • Gerda Rosenthal (* 1930 | 1942 in der Region Lublin)
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