Warum wir die Gedenktafeln zu den Ereignissen der NS-Zeit in Wetzlar unterstützen.
Statement vom Christian Keller

Komplexe Fragen mit vermeintlich einfachen Botschaften oder Parolen zu beantworten, das hat leider immer wieder und gerade jetzt Konjunktur. Doch vieles lässt sich eben nicht immer einfach beantworten, auch wenn die Sehnsucht nach schnellen Lösungen in einer immer komplexer werdenden Welt oft groß und verständlich ist.

Zu dieser Einsicht braucht es nicht nur Aufklärung und freie, geprüfte Informationen, sondern natürlich auch Erfahrung.

Um Erfahrung wach zu halten, vor allem bei jenen, die sie selbst nicht oder noch nicht haben, ist es wichtig, dass es Vereine gibt wie »Wetzlar erinnert«. Und es ist ebenso wichtig, dass es Hinweistafeln gibt, die Menschen ohne eigene Erfahrung daran erinnern und informieren, was früher war.

Vor 90 Jahren haben die Nazis in Deutschland die Macht übernommen. Die NSDAP, die drei Jahre zuvor noch kaum eine Rolle gespielt hatte, schaffte es mit plumpen Parolen, mit einfachen Botschaften und mit unbeweisbaren Schuldzuweisungen, große Teile eines unzufriedenen Volks für sich zu gewinnen. Die Zerschlagung der Gewerkschaften und die Gleichschaltung der Presse waren gleich im ersten Jahr wichtige Schritte, Gegner mundtot zu machen und damit die Chance, sich unabhängig zu informieren, zu nehmen.

Gleichzeitig stiegen die Nazis auf alte Traditionen ein und nutzten sie als ihre großen Bühnen. Beim Ochsenfest 1933 auf der Bachweide lullten sie den bislang gesellschaftlich wenig geachteten Bauernstand nach allen Regeln der Kunst ein. Was auf der Bachweide klappte, das funktionierte auch anderswo – bis schließlich aus der anfänglichen Begeisterung Zwang und Unterdrückung wurden. Doch da war es schon zu spät; die menschengemachte Katastrophe nahm ihren Lauf. Aus eigener Erfahrung und Erinnerung kann sich heute kaum noch jemand daran erinnern.

Wir als lokales Medienhaus vor Ort und Teil der Zivilgesellschaft müssen gemeinsam daran arbeiten, die Erinnerung wach zu halten, damit so etwas nie wieder geschehen kann. Das tun wir nicht nur regelmäßig mit unserer Berichterstattung, sondern in diesem Fall auch gerne mit der Unterstützung des Tafelprojekts von »Wetzlar erinnert«.

Christian Keller
Chefredaktion

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