Wer war Heinz Davidsohn?

  • Heinz Davidsohn wurde zusammen mit seiner Zwillingsschwester Lotte am 09.12.1912 in Wetzlar geboren. Die Eltern waren Agnes (geb. Rabow) und Georg Davidsohn..
  • Im persönlichen Gespräch mit dem Ehepaar Ebertz im August 1991 in Wetzlar sagte Heinz Davidsohn:
    Nach der Volksschule in Wetzlar besuchte er

»[…] bis zum Januar 1933 (?) das Realgymnasium in Gießen, wo ich es bis zur Oberprima brachte, weiter ging es nicht, denn die Hetze wurde immer stärker. Ursprünglich wollte ich studieren, um Zahnarzt zu werden. […] Der Rassenhass spitzte sich aber immer mehr zu, so dass ich leider gezwungen war, diese Stätte zu verlassen. Um den Verfolgungen, die seinerzeit an der Tagesordnung waren, aus dem Wege zu gehen, fuhr ich am 11. Mai 1933 nach Paris.
Ich hoffte, dort mein Studium wieder aufzunehmen, aber die genehmigten Geldbeträge, die mir meine Eltern schicken durften, waren zu klein, um meinen Plan auszuführen. Durch eine Empfehlung kam ich im Restaurant Maxim in Paris als Küchenjunge an, dort hatte ich wenigstens Unterkunft und Verpflegung sowie Gelegenheit, die französische Sprache perfekt zu erlernen.
Aber […] eines Tages wurde ich gehasst, weil der Deutschenhass mit Macht durchbrach, und ich auch als Nazi angesehen und behandelt. Meine Beteuerungen, dass ich als Jude mein Heimatland verlassen musste, wurden nicht verstanden. Da ich perfekt Französisch sprach, kam ich in einer Apotheke an, wo ich als Fußpfleger angelernt wurde, Mein Einkommen war zwar klein, aber ich fühlte mich einigermaßen sicher bis sich die politischen Verhältnisse im Jahre 1938 sehr verschärf­ten und man bei der Polizei schon schief angesehen wurde, wenn man einen deutschen Pass vorwies. Auch in der Apotheke änderte sich die Behandlung zu meinen Ungunsten.
In einer Beratungsstelle erfuhr ich, dass Argentinien noch Emigranten aufnimmt und die Massilia noch günstig die Überfahrt übernimmt. So entschloss ich mich kurzerhand im März 1938, mit der Massilia die Überfahrt nach Argentinien zu machen. Hier kam ich im April 1938 an, musste eine Zeitlang vegetieren bis ich in einem Damenfrisiersalon als Fußpfleger unterkam, wo ich mich zwar mit einem kleinen Lohn begnügen musste, aber immerhin nicht auf der Straße lag. Inzwischen erlernte ich auch die spanische Sprache, und mein Einkommen wurde dadurch etwas größer. Statt selbständiger Zahnarzt mit gutem Einkommen, der ich heute sein könnte, bin ich durch die Judenverfolgung leider immer noch ein Angestellter der Fußpflege mit kleinem Einkommen.«

  • Seinen Beruf übte er noch bis ins hohe Alter aus. Heinz Davidsohn verstarb nach langem Leiden am 25. Mai 2001 in Buenos Aires
  • Inschrift des Stolpersteins:

    HIER WOHNTE
    HEINZ DAVIDSOHN
    JG. 1912
    FLUCHT NACH
    ARGENTINIEN

  • Sein letzter freiwilliger Wohnort in Wetzlar:
    Weißadlergasse 1 | D 35578 Wetzlar
    Standort des Stolpersteins:
    in der Gruppe von fünf Steinen:
    • der beiden ersten für seine Eltern Agnes & Georg Davidsohn,
    • der dritte für seinen Bruder Kurt Davidsohn
    • der fünfte für seine Schwester Lotte Rosenberg (geb. Davidsohn)
    Weißadlergasse 1 | D 35578 Wetzlar
  • Paten des Stolpersteins:
    Omas gegen Rechts, Wetzlar

Angaben zum Bild:
Grafische Nachbildung des Stolpersteins © Wetzlar erinnert e.V.