Wer war Agnes Davidsohn?

  • Sie wurde 1881 als Agnes Rabow in Kletzko (Kreis Gnesen) geboren. Sie heiratete den Kaufmann Georg Davidsohn, die seit 1912 in Wetzlar in der Brückenstraße wohnten. Das Ehepaar hatte drei Kinder
    • Kurt (* 09.10.1905)
    • Lotte und Heinz als Zwillinge (* 09.12.1912)
    1928/29 errichtete ihr Mann das erste moderne Kaufhaus in der Stadt.

    »[…] Das neue Gebäude wird nach allen neuzeitlichen Erfahrungen auf das modernste eingerichtet sein und so der Stadt Wetzlar und ihrer Umgebung dasselbe bieten, wie jedes großstädtische Warenhaus.«

    schrieb der Wetzlarer Anzeiger am 15.10.1928 zur Eröffnung des Warenhauses Frankfurter. Diese »aufsteigende wirtschaftliche Entwicklung« für das Ehepaar Davidsohn wurde jedoch durch die Nazis zunichte gemacht. Mit intensiven Boykott-Aktionen und der Aufstellung eines »Stürmer-Kastens« vor dem Eingang des Kaufhauses wurde der Kundschaft gedroht. Die Folgen: Der Umsatzrückgang hätte zur Insolvenz geführt.

  • 1935 werden die Davidsohn genötigt, ihr Geschäft zu verkaufen. Die NSDAP-Kreisleitung gab vor, an wen: Die Gebrüder Linke aus Frankfurt (selbst NSDAP-Mitglieder). Agnes und Georg Davidsohn zogen nach Frankfurt in das dortige jüdische Altersheim.
  • Von dort aus emigrierten die Kinder 1937 nach Argentinien. Nachdem sich ihre Kinder 1937 und 1938 in Buenos Aires niedergelassen hatten, halfen sie ihren Eltern Georg und Agnes Davidsohn im September 1939 ebenfalls nach Argentinien auszureisen. So konnte das Ehepaar den Faschismus überleben.
  • Inschrift des Stolpersteins:

    HIER WOHNTE
    AGNES DAVIDSOHN
    GEB. RABOW
    JG. 1881
    FLUCHT NACH
    ARGENTINIEN

  • Ihr letzter freiwilliger Wohnort in Wetzlar:
    Weißadlergasse 1 | D 35578 Wetzlar
    Standort des Stolpersteins:
    in der Gruppe von fünf Steinen:
    • der erste für ihren Mann Georg Davidsohn,
    • der dritte für ihren Sohn Kurt Davidsohn,
    • der vierte für ihre Tochter Lotte Rosenberg (geb. Davidsohn)
    • der fünfte für ihren Sohn Heinz Davidsohn
    Weißadlergasse 1 | D 35578 Wetzlar
  • Paten des Stolpersteins:
    Wetzlarer Geschichtsverein e.V.

Angaben zum Bild:
Grafische Nachbildung des Stolpersteins © Wetzlar erinnert e.V.

Das neue Warenhaus Frankfurter am 12.07.1929 eröffnet

Das Warenhaus Frankfurter in der Bahnhofstraße (eine Aufnahme, nachdem der jüdische Kaufmann das Warenhaus an zwei Nazis »Gebrüder Linke« verkaufen musste). © Bild: Historisches Archiv der Stadt Wetzlar

Am 06.03.1912 hatte der Kaufmann Georg Davidson in Wetzlar »Warenhaus Frankfurt« eröffnet. Dieses florierte so gut, dass er im Jahre 1929, am 12.07., in der Bahnhofstraße Nr. 36 ein großzügiges, neues, modernes Gebäude einweihen konnte. Zum 20-jährigen Jubiläum des Warenhauses Frankfurter schreib der Wetzlarer Anzeiger: » Wir empfehlen unseren Lesern das Angebot zur besonderen Beachtung und wünschen dem Unternehmen eine weitere aufsteigende Entwicklung!«
Diese »aufsteigende Entwicklung« wurde jedoch durch die bald folgende Nazi-Diktatur zunichte gemacht.
Aber die immer stärker werdende Hetze gegen Juden und spezielle Schikanen gegenüber seinem Geschäft führten dazu, dass Davidsohn kapitulierte. Er wählte einen langjährigen Mitarbeiter zu seinem Nachfolger, und schloss mit ihm einen Kaufvertrag. Nach der Zustimmung der Handelskammer für die Geschäftsveräußerung wurde der Verkauf jedoch von der NSDAP- Kreisleitung nicht genehmigt. Vielmehr wurde das Kaufhaus an die NSDAP-Mitglieder Gerhard und Herbert Linke veräußert.Die Versuche der Davisohns, das Kaufhaus 1954 vom Amtsgericht Wetzlar wieder gut geschrieben zu bekommen, wurde vom Gericht als »nicht ausreichend begründet« zurückgewiesen.