Wer war Lotte Davidsohn?

  • Lotte Davidsohn wurde zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Heinz am 09.12.1912 in Wetzlar geboren. Die Eltern waren Agnes (geb. Rabow) und Georg Davidsohn. Nach der Volksschule besuchte sie

»[…] bis April 1933 das Städtische Lyzeum, genannt ›Lotteschule‹ in Wetzlar, ein längeres Verbleiben auf der Schule wurde mir durch das Verhalten meiner Mitschülerinnen unmöglich gemacht […].
Während meiner ganzen Schulzeit zeichnete ich mich durch besonders gute Leistungen im Sport aus, besonders im Schwimmen, wo ich schon fünf Sekunden hinter der Weltmeisterin stand. Dadurch reifte in mir der Wunsch, Sportlehrerin zu werden, und ich setzte mich dieserhalb mit der Sportschule in Spandau in Verbindung, diese nahm aber schon damals keine Juden mehr an.«

Auch habe man ihr nahegelegt,

»aus dem Wetzlarer Turnverein auszutreten, bevor man mich raus­schmeißen müsste.«

  • In eidesstattlichen Versicherungen vom April 1957 und Juli 1958 zu ihrem Entschädigungsantrag schildert Lotte Rosenberg ihren Lebenslauf:

»[…] erlernte ich den kaufmännischen Beruf im Geschäftsbetrieb meines Vaters, der in Wetzlar, Bahnhofstrasse, ein Kaufhaus errichtet hatte . […] war ich ebenfalls im Geschäft meines Vaters als kaufmännische Angestellte erwerbstätig. Mein Beschäftigungsverhältnis bestand bis September 1935 […] da das Kaufhaus meines Vaters arisiert wurde. Mein Vater hatte mir ein kleines festes Gehalt und Umsatzbeteiligung gewährt, insgesamt bin ich bis zum Jahre 1935 auf ein Durchschnittseinkommen von monatlich 200 RM gekommen. Nach Verlust meiner Existenz in Wetzlar übersiedelte ich nach Frankfurt/M, wo ich an Kursen für Maniküre und Pediküre teilgenommen habe. Eine anderweitige Beschäftigungsmöglichkeit bot sich für mich in Deutschland nicht mehr. […] Somit blieb mir nichts weiter übrig, als auszuwandern. Im Jahre 1935 hatte ich die Möglichkeit, nach Lissabon zu gehen, wo ich durch Vermittlung eine Stellung als Kindermädchen bekam, diese Freude dauerte aber auch nicht lange, denn es brach der Bürgerkrieg in Spanien aus, und ich musste mit vielen anderen Leidensgenossen auf einem Auswandererschiff nach Argentinien flüchten. […] Ein Teil meines Gepäcks ist bei der Auswanderung abhanden gekommen.[…] Hier in Buenos Aires, wo ich zuerst landete, arbeitete ich tagsüber in einem Friseursalon und erlernte in einer Abendschule die Schönheitspflege. […] 1946 habe ich mit dem Kaufmann Hans Rosenberg die Ehe geschlossen.

  • Lotte Rosenberg verstarb am 30. April 2006 in Buenos Aires, Argentinien.
  • Inschrift des Stolpersteins:

    HIER WOHNTE
    LOTTE DAVIDSOHN
    JG. 1912
    FLUCHT NACH
    ARGENTINIEN

  • Ihr letzter freiwilliger Wohnort in Wetzlar:
    Weißadlergasse 1 | D 35578 Wetzlar
    Standort des Stolpersteins:
    in der Gruppe von fünf Steinen:
    • der beiden für ihre Eltern Agnes & Georg Davidsohn,
    • der dritte für ihren Bruder Heinz Davidsohn
    • der vierte für ihren Bruder Kurt Davidsohn
  • Weißadlergasse 1 | D 35578 Wetzlar
  • Paten des Stolpersteins:
    Omas gegen Rechts, Wetzlar

Angaben zum Bild:
Grafische Nachbildung des Stolpersteins © Wetzlar erinnert e.V.