Wer war Erich Stern?

  • Erich Stern wurde am 22. Januar 1910 in Limburg geboren. Er war der Sohn von Klara (geb. Jessel) und Heinrich Stern.
    Er wohnte in Wetzlar in der Brückenstraße 3, ab 1933 Brückenstraße 5. Erich erlernte den Beruf des Kaufmanns. Am 30. April 1934 heiratete er Hella Rosenthal (23.10.1911 in Trier). Während seine Eltern die Nazizeit nicht überlebten, konnten er und seine Frau sich durch Flucht nach Palästina retten.
    Die beiden haben zwei Kinder, die in Israel geboren wurden:
    Margalith Doris ( 1938 in Tel Aviv)
    Chanita Merry ( 1941 in Tel Aviv).
  • Am 10. August 1953 ist er wieder in Deutschland eingereist und wurde in Frankfurt a.M. ein selbständiger Gewerbetreibender für Textilimport und -exportgeschäfte.
    Erich Stern verstarb am 28. April 1989 in Frankfurt

In seinem Entschädigungsverfahren schilderte Erich Stern 1955 in eidesstattlichen Versicherungen seinen Lebensweg:

[…] Nachdem meine Eltern in Wetzlar ansässig waren, wo sie ein Textilgeschäft besaßen, besuchte ich dort zunächst die Vorschule, anschließend das humanistische Gymnasium. Im Jahre 1925 ging ich mit dem Einjährigen von der Schule ab und kam in die kaufmännische Lehre bei der Firma Gustaf Carsch & Co. in Düsseldorf. Im April 1928 beendete ich die Lehrzeit. […]

Im März 1933 eröffnete mein Vater […] ein neues, erheblich größeres Geschäftslokal in Wetzlar, Brückenstraße 5. […] Mein Vater war damals 57 Jahre alt und schwer leidend. Daher war beabsichtigt, daß ich nach entsprechender Einarbeitung die Leitung des Wetzlarer Unternehmens übernehmen sollte.
Während sonst überall der Boykott der jüdischen Geschäfte erst am 1. April 1933 einsetzte, wurde mein Vater bereits am 16. März 1933 […] verhaftet. Infolge dieser Ereignisse und des einsetzenden Boykotts kamen wir zu der Überzeugung, daß für mich in Wetzlar keine weitere Existenzmöglichkeit bestände. Ich entschloss mich daher, nach Frankfurt a.M. zu gehen. Dort hatte ich Beziehungen zu dem damaligen Akquisiteur Theo Schlett. […]

Meine jetzige Frau […] und ich schlossen im Sommer 1933 mit Schlett einen Gesellschaftsvertrag zwecks gemeinsamen Betriebes eines Auktionshauses. […] Alle Teilhaber waren im Geschäft mit tätig. Das Geschäft florierte sehr gut.

Ende 1933 standen mein späterer Schwiegervater, der Kaufmann Hermann Rosenthal, und ich vor dem Sondergericht in Frankfurt a.M. wegen Verächtlichmachung der Hitler-Regierung. Wir wurden aber beide freigesprochen.

Im Sommer 1935 bekamen wir neue Schwierigkeiten, weil wieder eine Anzeige eingegangen war. Um nicht nochmals vor das Sondergericht oder ins Konzentrationslager zu kommen, entschloss ich mich zur Flucht ins Ausland. Am 30. April 1934 hatte ich geheiratet. Anfang Oktober 1935 bin ich mit meiner Frau und deren Eltern illegal nach Frankreich geflüchtet. […]

Aufgrund der geschilderten Schwierigkeiten […] habe ich mich über Frankreich – Alexandria nach Palästina begeben, wo ich am 14. November 1935 in Jaffa eingetroffen bin. In Palästina habe ich mich ab 1936 als Milchverteiler betätigt und dadurch meinen Lebensunterhalt bestritten. […] Die Rückerstattung wurde Anfang 1953 abgeschlossen und hatte die Rückgabe eines Grundstückes in Wetzlar zum Gegenstand [Geschäftshaus Brückenstraße 5 ist gemeint].

Am 10. August 1953 bin ich von Israel/Tel-Aviv abgereist und am 29. September 1953 in Deutschland wieder eingereist. Am 1. Dezember 1953 habe ich beim Magistrat Frankfurt a.M. einen selbständigen Gewerbebetrieb Textil-Import und Export angemeldet.«


Quelle: 1 HHStAW, 518, 56635, Bl. 15 f.

  • Inschrift des Stolpersteins:

    HIER WOHNTE
    ERICH STERN
    JG. 1910
    FLUCHT 1935
    PALÄSTINA

  • Sein letzter freiwilliger Wohnort in Wetzlar:
    Brückenstraße 5 | D 35576 Wetzlar
    Standort des Stolpersteins:
    in der Gruppe von vier Steinen:
    • der ersten beiden für seine Eltern Klara und Heinrich Stern,
    • der vierte für seinen Sohn Hans Stern
  • Weißadlergasse 1 | D 35578 Wetzlar
  • Paten des Stolpersteins:
    Wetzlarer Geschichtsverein e.V.

Angaben zum Bild:
Grafische Nachbildung des Stolpersteins © Wetzlar erinnert e.V.