Wer war Ernst Ludwig Rabow?

  • Der jüngste Sohn der Familie Rabow, Ernst Ludwig Rabow, wurde am 15. Dezember 1926 in Wetzlar geboren und evangelisch getauft. Er wuchs in einer nach der NS-Rassenideologie bezeichneten »privilegierten Mischehe« auf. So nannten die Nazis Familien, in denen einer der Ehepartner ein Jude/eine Jüdin war und der/die andere als »Arier« galt. Die Kinder aus diesen »Mischehen« bezeichneten die Nazis als »Halbjuden«. Auch sie und die »arischen« Ehepartner waren Diskriminierungen und Verfolgungen ausgesetzt; die Partner*innen wurden aufgefordert, sich von den Juden/Jüdinnen zu trennen.
  • Zwangsarbeit
    Am 25. Januar 1945 bekam er zusammen mit seinen Brüdern Heinz, Walter und Hans vom Arbeitsamt Wetzlar die Aufforderung, sich zum Arbeitseinsatz bei der »Organisation Todt« zu melden. Sie fuhren zunächst mit der Bahn nach Frankfurt a.M. und mussten vom Hauptbahnhof zum Gefängnis in der Gutleutstraße laufen. Dort wurden sie mit elf Mann in einem zwei mal zwei Meter großen Käfig eingeschlossen. Die Schilderungen des Ehepaar Ebertz von dem, was Ernst Rabow ihnen über die Zwangsarbeit in einem Gespräch am 14.08.2009 mitteilte:

»Hier hatten wir zum ersten Mal richtig Angst, da wir ja nicht wussten, was geschehen würde«, so Ernst Rabow im Gespräch am 14. August 2009.
Dann wurden sie in das Gestapo-Gefängnis in der Lindenstraße gebracht, wo sie in einem großen Keller auf dem Boden übernachten mussten. Nach einem weiteren kurzen Aufenthalt im jüdischen Krankenhaus in der Gagernstraße wurden sie nach einer längeren Bahnfahrt nach Clausthal-Zeller­feld in ein Zwangsarbeiterlager gebracht. Dort mussten sie mit vielen anderen Zwangsarbeitern zu­sammen am Bunkerbau arbeiten.

»Nach den körperlichen und seelischen Belastungen in den Gefängnissen ging es uns hier nicht schlecht. Wir hatten zu essen – den Umständen entsprechend – und eine trockene Unterkunft«, erzählte Ernst Rabow.

Nach der Befreiung durch die Amerikaner am 13. April 1945 liefen die Rabow-Brüder zu Fuß nach Hause und gelangten nach mehreren Wochen endlich nach Wetzlar.

  • Nach dem Krieg:
    Von etwa 1950 bis 1964 arbeitete Ernst Rabow bei der Firma Ernst Leitz, Abteilung Foto-Rohbau, in Wetzlar und fand dann eine Anstellung als Hausmeister zunächst in der Musikschule, dann in der ehemaligen Lotteschule und bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand in der Theodor-Heuss­-Schule in Wetzlar.
  • Ernst Rabow war verheiratet und hat eine Tochter und eine Enkelin.
  • Inschrift des Stolpersteins:

    HIER WOHNTE
    ERNST RABOW
    JG. 1926
    GEDEMÜTIGT
    ENTRECHTET
    ZWANGSARBEIT
    CLAUSTHAL-ZELLERFELD
    ÜBERLEBT

  • Sein letzter freiwilliger Wohnort in Wetzlar:
    Lahnstraße 34 | D 35578 Wetzlar
    Standort des Stolpersteins:
    in der Gruppe von sieben Steinen:
    • der ersten beiden für seine Eltern Margarathe und Gerog Rabow
    • der dritte für seinen ältesten Bruder Heinrich Georg Rabow,
    • der vierte für seinen älteren Bruder Oskar Emil Rabow,
    • der fünfte für seinen älteren Bruder Walter Friedrich Rabow und
    • der sechste für seinen älteren Bruder Hans Joachim Rabow
    Lahnstraße 34 | D 35578 Wetzlar
  • Patin des Stolpersteins:
    Cornelia Sieber.

Angaben zum Bild:
Grafische Nachbildung des Stolpersteins © Wetzlar erinnert e.V.