Wer war Hans Joachim Rabow?

  • Hans Joachim Rabow wurde am 4. November 1924 in Wetzlar geboren und evangelisch getauft. Er wuchs in einer nach der NS-Rassenideologie bezeichneten »privilegierten Mischehe« auf. So nannten die Nazis Familien, in den einer der Ehepartner ein Jude/eine Jüdin war und der/die andere als »Arier« galt. Die Kinder aus diesen »Mischehen« bezeichneten die Nazis als »Halbjuden«. Auch sie und die »arischen« Ehepartner waren Diskriminierungen und Verfolgungen ausgesetzt; die Partner*innen wurden aufgefordert, sich von den Juden/Jüdinnen zu trennen.
  • Seinen Lebenslauf schildern die Rechtsanwälte Dr. Kurt Paetow und Werner Schlich, Gießen, am 25.07.1961 im Entschädigungsverfahren:

»[…] Der Antragsteller hätte 1935 in die höhere Schule über­wechseln können. Dies war ihm jedoch nicht möglich, auf Grund seiner nicht arischen Abstammung. Er verblieb daher in der Volksschule bis zum 01.04.1939 . […] Es liegt klar auf der Hand, daß der Kläger nach Beendigung der Volksschule […] als Halbjude nicht ohne weiteres in einen von ihm gewünschten Beruf eintreten konnte. Er war gezwungen, sich die erstbeste Arbeitsgelegenheit zu nehmen. Sein Bruder (Walter) war zu dieser Zeit bereits bei der Firma Hollmann GmbH in Wetzlar beschäftigt. […] Der Inhaber der Firma Hollmann in Wetzlar war mit der Familie des Klägers gut bekannt und so hatte sich die Firma dann auch bereit erklärt, den Kläger als Maschinenschlosserlehrling anzunehmen. [… Er] verblieb dortselbst als Lehrling bis zum 01.04.1942.  […]

  • Zwangsarbeit:
    Er wurde auch bei der Firma Hollmann weiter beschäftigt bis zu seiner Inhaftierung in das Zwangsarbeiterlager Klausthal-Zellerfeld am 25.01.1942. Dort war er zusammen mit seinen Brüdern Heinz, Walter und Ernst bis zur Befreiung durch die Amerikaner 1945 zur Zwangsarbeit eingesetzt worden.
  • Nach dem Krieg: 
    Nach Kriegsende begann Hans Rabow in Gießen mit der Gründung einer mechanischen Weberei. Wegen seiner fehlenden entsprechenden Ausbildung hatte diese Unternehmung jedoch keinen Erfolg. In seiner eidesstattlichen Erklärung (ohne Datum, Urkundenrolle Nr. 56/1968) 2) schilderte Hans Rabow seinen weiteren beruflichen Weg:

»[…] Die mechanische Weberei Gebrüder Rabow, früher in Gießen, Tannenweg 33, ist 1955 zum Erliegen gekommen, da keinerlei Gewinne in all den Jahren erzielt worden sind.
Ich habe 1956 bei der Firma Drebes, Gießener Drahtwarenfabrik in Gießen, Margaretenhütte, eine freie, mitarbeitende Stelle angenommen. […] Im Anschluss daran wurde ich kaufmännischer Angestellter bei der Firma Drebes. […] Ende 1957 übernahm ich einen Vertreterposten eines Herrn Fritz Schönemark im Bereich Hessen für die Firmen Erwin Müller, Lingen, sanitäre Ausstattung, sowie für die Firma Ludwig Fey, Mainz-Castell, Stahlzargen und Stahltüren, sowie für die Firma Gesellschaft für Plastikwaren in Worms. Daneben führte ich die Vertretung der Firma Drebes noch weiter, die aber Ende 1958 auslief […] Hinzu kamen im Laufe der Zeit Vertretungen verschiedener anderer Firmen, und inzwischen vertrete ich heute ca. 14 Firmen. Dies war mir nur möglich, weil ich an Schulungen für Vertreter teilnahm und mich auch weiterhin für diesen Beruf fortgebildet habe.«

  • Hans Joachim Rabow heiratete und hat eine Tochter und zwei Enkel. Er lebte mit seiner Familie in Gießen-Rödgen.
  • Inschrift des Stolpersteins:

    HIER WOHNTE
    HANS RABOW
    JG. 1924
    GEDEMÜTIGT
    ENTRECHTET
    ZWANGSARBEIT
    CLAUSTHAL-ZELLERFELD
    ÜBERLEBT

  • Sein letzter freiwilliger Wohnort in Wetzlar:
    Lahnstraße 34 | D 35578 Wetzlar
    Standort des Stolpersteins:
    in der Gruppe von sieben Steinen:
    • der ersten beiden für seine Eltern Margarethe und Gerog Rabow
    • der dritte für seinen ältesten Bruder Heinrich Georg Rabow,
    • der vierte für seinen älteren Bruder Oskar Emil Rabow,
    • der fünfte für seinen älteren Bruder Walter Friedrich Rabow und
    • der siebte für seinen jüngeren Bruder Ernst Ludwig Rabow
    Lahnstraße 34 | D 35578 Wetzlar
  • Patinnen des Stolpersteins:
    Dagmar Beyer & Andrea Neischwander.

Angaben zum Bild:
Grafische Nachbildung des Stolpersteins © Wetzlar erinnert e.V.