Wer war Walter Friedrich Rabow?

  • Walter Friedrich Rabow wurde am 4. Mai 1923 in Wetzlar geboren und evangelisch getauft. Er wuchs in einer nach der NS-Rassenideologie bezeichneten »privilegierten Mischehe« auf. So nannten die Nazis Familien, in den einer der Ehepartner ein Jude/eine Jüdin war und der/die andere als »Arier« galt. Die Kinder aus diesen »Mischehen« bezeichneten die Nazis als »Halbjuden«. Auch sie und die »arischen« Ehepartner waren Diskriminierungen und Verfolgungen ausgesetzt; die Partner*innen wurden aufgefordert, sich von den Juden/Jüdinnen zu trennen.
  • Walter Rabow beabsichtigte nach Beendigung der Volksschule eine Lehre als Motorenschlosser oder Elektriker zu beginnen und anschließend das Polytechnikum in Gießen zu besuchen. Ostern 1937 wurde er aus der Volksschule entlassen, doch wurde ihm vom Arbeitsamt Wetzlar die Zuweisung einer geeigneten Lehrstelle im Maschinen- oder Elektrobetrieb wegen seiner Abstammung verweigert. Schließlich wurde er in eine Lehrstelle bei einem Spenglermeister in Wetzlar/Niedergirmes vermittelt. Wenn diese auch seinen Ausbildungsabsichten nicht entsprach, musste er mangels einer anderen Möglichkeit die Lehrstelle antreten. Er wurde aber auf Veranlassung der Spengler-Innung Wetzlar bereits nach 14 Tagen entlassen. Der Innungsmeister Ritter vertrat die Auffassung, dass der Antragsteller als jüdischer Mischling einem Juden gleichzustellen sei und deshalb nicht in ein Lehrverhältnis zugelassen werden könne. Am 12.07.1938 hatte das Arbeitsamt Wetzlar Walter Rabow in ein Lehrverhältnis bei dem Schuhmacher F. R. Hofmann in Nauborn eingewiesen, dass er zwangsläufig antrat, obwohl es seiner beabsichtigten Berufsausbildung völlig widersprach. Aber auch hier wurde der Antragsteller wegen seiner Abstammung nicht aufgenommen. In der Zwischenzeit gelang es Frau Rabow, ihren Sohn dank des Verständnisses des Inhabers bei der Firma Hollmann-Werke in Wetzlar unterzubringen. Deshalb konnte der dort am 01.11.1938 als Schlosserlehrling antreten. Die Lehre absolvierte er bis 30.04.1942 und legte die Gesellenprüfung ab.
  • Seine und seiner Mutter Bemühungen, nach der Lehre das Polytechnikum in Gießen besuchen zu können, scheiterten. Er wurde dort als »Halbjude« abgelehnt. Eine rechtliche Handhabe, die Aufnahme zu erzwingen, bestand nach dem Erlass des Reichsministers für Erziehung und Unterricht über den Schulbesuch jüdischer Mischlinge vom 20.07.1942 nicht.
  • Zwangsarbeit:
    Der Antragsteller blieb deshalb als Maschinenschlosser bei den Hollmann-Werken, bis er am 22.01.1945 zusammen mit seinen Brüdern festgenommen und in das Zwangsarbeiterlager Clausthal-Zellerfeld verbracht wurde. Hier wurde er als Bauhilfsarbeiter bei der Firma Walter Jung bis zu seiner Befreiung am 08.04.1945 beschäftigt.
  • Nach dem Krieg:
    Nach vorübergehender Tätigkeit bei den Textilwerken in Katzenfurt bemühte er sich alsbald nach dessen Wiedereröffnung um Aufnahme in das Polytechnikum Gießen, die er mit Beginn des Winter­semesters 1946/47 erreichte. Die wirtschaftliche Lage, in der sich seine Mutter befand, zwang ihn aber nach drei Semestern zur Aufgabe des Studiums. Walter Rabow blieb unverheiratet, arbeitete wieder im Geschäft der Mutter und versorgte diese bis zu ihrem Tode 1990. Später gab er das Geschäft auf.
    Walter Rabow verstarb am 21. März 2004 in Wetzlar.
  • Inschrift des Stolpersteins:

    HIER WOHNTE
    WALTER RABOW
    JG. 1922
    GEDEMÜTIGT
    ENTRECHTET
    ZWANGSARBEIT
    CLAUSTHAL-ZELLERFELD
    ÜBERLEBT

  • Sein letzter freiwilliger Wohnort in Wetzlar:
    Lahnstraße 34 | D 35578 Wetzlar
    Standort des Stolpersteins:
    in der Gruppe von sieben Steinen:
    • der ersten beiden für seine Eltern Agnes und Gerog Rabow
    • der dritte für seinen ältesten Bruder Heinrich Georg Rabow,
    • der vierte für seinen älteren Bruder Oskar Emil Rabow,
    • der sechste für seinen jüngeren Bruder Hans Joachim Rabow und
    • der siebte für seinen jüngsten Bruder Ernst Ludwig Rabow
    Lahnstraße 34 | D 35578 Wetzlar
  • Patinnen des Stolpersteins:
    Dagmar Beyer & Andrea Neischwander.

Angaben zum Bild:
Grafische Nachbildung des Stolpersteins © Wetzlar erinnert e.V.