Wer war Christine Jessel (geb. Büttner)?

  • Der gelernte Verkäuferin Christine Jessel wurde am 30. August.1882 in Weilburg geboren.
    Ihre Eltern waren Leon und Eva Jessel (geb. Meyer).
    Sie war verheiratet mit dem jüdischen Moritz Jessel und führte mit ihm gemeinsam in der Langgasse ein Lebensmittelgeschäft.
    Am 20.06.1924 wurde ihre gemeinsame Tochter Lore Kristine Karline in Frankfurt a.M. geboren.
    Seit 1933 wurde das Geschäft fortlaufend boykottiert und Schilder aufgestellt: »Kauft nicht bei Juden!«
    Und Christine Jessel erklärt am 13.3.1950:

    »[…] Da mein Mann Jude war, wurde unser Geschäft seit 1933 fortlaufend boykottiert. […] Der Rolladen wurde durch SA-Männer heruntergelassen und dadurch das Geschäft tagelang stillgelegt. Es wurde beobachtet, wer bei uns kaufte und dies dann angebracht, sodass nach und nach unsere Kunden wegblieben. So wurde unsere Existenz vernichtet. […]«

    Nachdem nach dauernden Boykottaufrufen am 01.04.1938 das Lebensmittelgeschäft der Familie in Wetzlar geschlossen werden musste, fing Christine Jessel am 11.08.1938 als Hilfsarbeiterin bei der Fa. Ernst Leitz an, um sich, Mann und Kind ernähren zu können. Sie arbeitete dort bis 01.11.1945, musste die Stelle wegen eines Herzleidens aufgeben.

  • Nach den Reichspogromen 1938 wurde ihr Mann nach Buchenwald verschleppt und am 22. März 1944 in Auschwitz ermordet.
  • Sie und ihre Tochter überlebten den Faschismus. Sie verstarb 1966 in Erbach.
  • Verlegungsdatum des Stolpersteins:
    13.04.2026
  • Inschrift des Stolpersteins:

    HIER WOHNTE
    CHRISTINE JESSEL
    GEB. BÜTTNER
    JG. 1891
    AUSGEGRENZT
    DRANGSALIERT
    ÜBERLEBT

  • Ihr letzter freiwilliger Wohnort in Wetzlar:
    Langgasse 44 | D 35576 Wetzlar
    Standort des Stolpersteins:
    in der Gruppe von drei Steinen:
    • der erste für ihren Mann Moritz Jessel,
    • der dritte für ihre Tochter Lore Brück (geb. Jessel)
    Langgasse 44 | D 35576 Wetzlar
  • Paten des Stolpersteins:
    Omas gegen Rechts, Wetzlar

Angaben zum Bild:
Grafische Nachbildung des Stolpersteins © Wetzlar erinnert e.V.