Wer war Georg Davidsohn?

  • Der Kaufmann Georg Davidsohn wurde am 19. Februar 1876 in Kletzko (Kreis Gnesen) geboren. Er war verheiratet mit Agnes Rabow, wohnte seit 1912 in Wetzlar. Er heiratete Agnes Rabow und hatte mit ihr drei Kinder
    • Kurt (* 09.10.1905)
    • Lotte und Heinz als Zwillinge (* 09.12.1912)
    Seine Familie zog 1912 nach Wetzlar und Georg Davidsohn machte sich hier selbständig und er errichtete im Jahre 1928/29 das erste moderne Kaufhaus in der Stadt.

    »[…] Das neue Gebäude wird nach allen neuzeitlichen Erfahrungen auf das modernste eingerichtet sein und so der Stadt Wetzlar und ihrer Umgebung dasselbe bieten, wie jedes großstädtische Warenhaus.«

    schrieb der Wetzlarer Anzeiger am 15.10.1928 zur Eröffnung des Warenhauses Frankfurter. Diese »aufsteigende wirtschaftliche Entwicklung« für Georg Davidsohn wurde jedoch durch die Nazis zunichte gemacht. Mit intensiven Boykott-Aktionen und der Aufstellung eines »Stürmer-Kastens« vor dem Eingang des Kaufhauses wurde der Kundschaft gedroht. Die Folgen: Der Umsatzrückgang hätte zur Insolvenz geführt.

  • Davidsohn wurde 1935 genötigt, sein Geschäft zu verkaufen. Die NSDAP-Kreisleitung gab vor, an wen: Die Gebrüder Linke aus Frankfurt (selbst NSDAP-Mitglieder). Agnes und Georg Davidsohn zogen nach Frankfurt in das dortige jüdische Altersheim.
  • Von dort aus emigrierte er 1937 nach Argentinien. Nachdem sich seine Kinder 1937 und 1938 in Buenos Aires niedergelassen hatten, halfen sie ihren Eltern Georg und Agnes Davidsohn im September 1939 ebenfalls nach Argentinien auszureisen. So konnte das Ehepaar den Faschismus überleben.
  • Inschrift des Stolpersteins:

    HIER WOHNTE
    GEORG DAVIDSOHN
    JG. 1876
    FLUCHT NACH
    ARGENTINIEN

  • Ihr letzter freiwilliger Wohnort in Wetzlar:
    Weißadlergasse 1 | D 35578 Wetzlar
    Standort des Stolpersteins:
    in der Gruppe von fünf Steinen:
    • der zweite für seine Frau Agnes Davidsohn (geb. Rabow),
    • der dritte für seinen Sohn Kurt Davidsohn,
    • der vierte für seine Tochter Lotte Rosenberg (geb. Davidsohn),
    • der fünfte für seinen Sohn Heinz Davidsohn,
    Weißadlergasse 1 | D 35578 Wetzlar.
  • Paten des Stolpersteins:
    Omas gegen Rechts, Wetzlar

Angaben zum Bild:
Grafische Nachbildung des Stolpersteins © Wetzlar erinnert e.V.

Das neue Warenhaus Frankfurter am 12.07.1929 eröffnet

Das Warenhaus Frankfurter in der Bahnhofstraße (eine Aufnahme, nachdem der jüdische Kaufmann das Warenhaus an zwei Nazis »Gebrüder Linke« verkaufen musste). © Bild: Historisches Archiv der Stadt Wetzlar

Am 06.03.1912 hatte der Kaufmann Georg Davidson in Wetzlar das »Warenhaus Frankfurt« eröffnet. Dieses florierte so gut, dass er im Jahre 1929, am 12.07., in der Bahnhofstraße Nr. 36 ein großzügiges, neues, modernes Gebäude einweihen konnte. Zum 20-jährigen Jubiläum des Warenhauses Frankfurter schreib der Wetzlarer Anzeiger: »Wir empfehlen unseren Lesern das Angebot zur besonderen Beachtung und wünschen dem Unternehmen eine weitere aufsteigende Entwicklung!«
Diese »aufsteigende Entwicklung« wurde jedoch durch die bald folgende Nazi-Diktatur zunichte gemacht.
Die immer stärker werdende Hetze gegen Juden und spezielle Schikanen gegenüber seinem Geschäft führten dazu, dass Davidsohn kapitulierte. Er wählte einen langjährigen Mitarbeiter zu seinem Nachfolger, und schloss mit ihm einen Kaufvertrag. Nach der Zustimmung der Handelskammer für die Geschäftsveräußerung wurde der Verkauf jedoch von der NSDAP-Kreisleitung nicht genehmigt. Vielmehr wurde das Kaufhaus an die NSDAP-Mitglieder Gerhard und Herbert Linke veräußert. Die Versuche der Davisohns, das Kaufhaus 1954 vom Amtsgericht Wetzlar wieder gut geschrieben zu bekommen, wurden vom Gericht als »nicht ausreichend begründet« zurückgewiesen.