Wer war Klara Stern?

  • Klara Stern, geb. Jessel, wurde am 11. Januar 1885 in Weilburg geboren. Seit 1910 lebte sie mit ihrem Ehemann Heinrich Stern in Wetzlar, Brückenstraße 3, seit 1933 Brückenstraße 5. Das Ehepaar hatte zwei Kinder:
    • Erich (* 22.01.1910) und
    • Hans (*27.12.1919).
    Das Ehepaar Stern zog 1936 nach Frankfurt a.M., wo der Ehemann Heinrich am 17.03.1937 verstarb.
    Über das Vermögen der Ehefrau Klara Stern, Frankfurt a.M., Westendstraße 89, wurde

»[…] auf Grund des § 37 a des DevG. [eine] vorläufige Sicherungsanordnung [verhängt], da der Verdacht besteht, dass die sichergestellten Vermögenswerte unter Umgehung der bestehenden Vorschriften der Devisenbewirtschaftung entzogen werden. Der Sohn Stern will auswandern«

  • Geringe Beträge für die Auswanderung ihres Sohnes Hans wurden freigegeben.
    Im August 1938 geriet Klara Stern in ein Strafverfahren wegen Devisenvergehens. Sie hatte zunächst die Devisenstelle Frankfurt a.M. um die Genehmigung gebeten,

»einen Kinderwagen an meinen Sohn Erich Stern in Tel-Aviv (Palästina) schicken zu dürfen. Die Frau desselben erwartet ein Kind & sind dieselben nicht in der Lage sich dort einen zu kaufen«,

  • was gegen Vorlage der Rechnung in Höhe von RM 82,50 genehmigt wurde.
    Am 07.09.1938 wurde von der Zollfahndungsstelle Frankfurt (M), Große Gallusstrasse 8, ein Arrestbefehl gegen Klara Stern beantragt.

»Die Beschuldigte hat zugegeben, 4.000,– RM der Frau Estera Schächter mit der Bestimmung übergeben zu haben, das Geld an den in Tel Aviv lebenden Sohn der Beschuldigten weiterzuleiten.«

  • Daraufhin wurden am 16. September 1938 die Bankguthaben von Klara Stern gepfändet.
    Mit Kaufvertrag vom 8. März 1939 veräußerte Klara Stern ihren Grundbesitz in Wetzlar, Brückenstraße 5, an die Eheleute Mathias Fries und Johanna, geb. Lang, in Wetzlar.

»In Anrechnung auf den Kaufpreis übernahmen die Käufer die in Abt. III Ziff. l eingetragene Hypothek von 13.000 RM für die Karlsruher Lebensversicherungsbank AG.
Weiter übernahmen sie die zu Gunsten des Deutschen Reichs eingetragene Sicherungshypothek für Reichsfluchtsteuer in Höhe von 13.400,– RM. Der Restbetrag von 31.600,– RM wurde auf Sperrkonto gezahlt. Frau Stern hatte darüber keine freie Verfügung.«

  • Klara Stern wohnte zuletzt in Frankfurt a.M., Fürstenberger Straße 139. Sie wurde am 21. November 1941 von Frankfurt nach Riga deportiert und wurde im Fort IX in Kauna erschossen
  • Inschrift des Stolpersteins:

    HIER WOHNTE
    KLARA STERN
    GEB. JESSEL
    JG. 1885
    DEPORTIERT 1941
    KOWNO / KAUNA FORT IX
    ERMORDET 25.11.1941

  • Ihr letzter freiwilliger Wohnort in Wetzlar:
    Brückenstraße 5 | D 35576 Wetzlar
    Standort des Stolpersteins:
    in der Gruppe von vier Steinen:
    • der erste für ihren Mann Heinrich Stern,
    • der dritte für seinen Sohn Erich Stern
    • der vierte für seinen Sohn Hans Stern
  • Weißadlergasse 1 | D 35578 Wetzlar
  • Paten des Stolpersteins:
    Barbara und Hans Joachim Deiker

Angaben zum Bild:
Grafische Nachbildung des Stolpersteins © Wetzlar erinnert e.V.